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Waschbaer mit TrachtenhutO’zapft is! Das Oktoberfest hat heute begonnen – mit dem Einzug der Wiesenwirte, vielen Pferden und Kutschen und so. Aber wieso eigentlich Oktoberfest im September? Mensch, erklär doch mal!

Schicker Hut, lieber Waschbär! Aber die Lederhose fehlt noch zur Verkleidung. Heute ist es ja wieder ganz modern, in Tracht auf’s Oktoberfest zu gehen. Oder in etwas, was einem Dirndl bzw. einer Lederhose entfernt ähnlich sieht.

Aber zurück zum Oktoberfest im September. Das kam so:

Im Jahr 1810 hat Kronprinz Ludwig (der spätere Ludwig der I. von Bayern – der mit der Lola Montez) Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen geheiratet. So eine Kronprinzen-Hochzeit war natürlich ganz was Großes und wurde groß gefeiert. Unter anderem mit einem Pferderennen am Sendlinger Berg, der heutigen Theresienwiese mit der Theresienhöhe. Das Rennen wurde am 17. Oktober ausgerichtet.

Weil das allen gut gefallen hat, hat man das Rennen im nächsten Jahr wiederholt. Und im übernächsten auch. Nur 1813 fiel es aus, weil da alle mit Napoleon beschäftigt waren.

Mittlerweile hat man auch den Sendlinger Berg in “Theresienwiese” umbenannt und das Fest wuchs immer mehr. In der Wikipedia steht, dass man Kletterbäume, Schaukeln und Kegelbahnen aufgestellt hat. Von Bierzelt war noch keine Rede – die Stadt hat den Bierausschank nicht erlaubt.

Auf jeden Fall hat ab 1819 die Stadt München die Festleitung übernommen. Karussells kamen dazu und Losbuden boten Porzellan als Gewinn. Immer noch kein Bier.

1880 war es dann soweit: endlich der erste Bierverkauf! Ein Jahr später die erste Hendlbraterei (Hühnnerbraterei für die norddeutschen Freunde). Und weil das jetzt so richtig viele Leute angezogen hat, wurde das Fest auf zwei Wochen verlängert. Allerdings kann es im Oktober schon knackig kalt werden und darum haben die Stadtväter beschlossen, die (meistens) schöneren Septemberwochen auszunutzen. Das Fest wurde so gelegt, dass nur das letzte Wochenende in den Oktober fällt. Darum feiern die Münchner das Oktoberfest im September.

Statt Oktoberfest sagt der Münchner eher “d’Wiesn” – die Wiese, von “Theresienwiese”. Weil da früher mal Wiese war. Heute ist der Platz geschottert. Nix ist mit Wiese. Übrigens ohne Apostroph vor dem “n”. Die Wiese, Einzahl. Bayerisch “die Wiesn” oder kürzer “d’Wiesn”.

Wer heute noch geht: Jacke mitnehmen, Ihr müsst nämlich draußen sitzen. Die Zelte sind seit einer Stunde schon wegen Überfüllung zu.
Eine schöne und friedliche Wiesn

wünschen Euch der Waschbär und sein Mensch

Tag 2aSeht Ihr die Zacken? Da musste sie rauf – und dabei hat sie geschimpft! Schlimmer als ein alter Waschbären-Großvater.

Tag 2 unserer Iller-Tour sollte von Kempten bis Illertissen gehen, das wären etwa 70 km gewesen. Normalerweise ist das für uns kein Problem, aber hier war es eines. Eben wegen dieser Zacken. Ich hatte vorher die Tourbeschreibung des Illerradweges gelesen und dort hieß es, die Tour gehe weitgehend eben und ohne Steigungen, sei deswegen als Familientour auch für Kinder geeignet. Darauf vertrauend habe ich mich mit dem Höhenprofil nicht so genau befasst. Ein Fehler.

Kurz nach KemptenDer Start war sehr schön: leichter Nebel am Fluß, ein sonniger Tag kündigte sich an. Die erste Etappe ging wieder eng an der Iller entlang.

 

 

Ufer der Iller nach KemptenBei Hirschdorf hat sich der Fluss tief in das Ufer gegraben und auf der gegenüberliegenden Seite lagen Lehm- und Sandschichten bloß. Wir haben überlegt, ob im Frühjahr da wohl Uferschwaben ihre Bruthöhlen graben – ideal wäre es dafür.

In Krugzell gab es die erste unangenehme Hürde. Wegen einer Brückenbaustelle mussten wir eine Umleitung fahren, die zuerst wunderschön entlang der Iller und dann durch Wiesen führte.

Aber das dicke Ende war eine 16 %-Steigung zurück zur Straße.

Waschbaer 16Ich bin natürlich sofort abgestiegen und habe schieben helfen – aber es war soooo schwer! Mein Mensch hat ganz viele schlimme Worte gesagt. Oben hatte sie dann keine Puste mehr zum Schimpfen.

 

Ich möchte wissen, von welchem wilden Ratz der gebissen wurde, der diese Umleitung ausgeschildert hat! Mit einem eBike mag das ja ganz lustig sein, aber mit einem normalen Fahrrad ohne 36 Gänge ist das eine Strapaze. Wenn es bei dieser einen Steigung geblieben wäre, hätte ich nix zu meckern aber. Leider kam es aber wesentlich unangenehmer.

Bei KaldenNach Altusried führt der Radweg durch Wiesen, Weiden und winzige Weiler. Von der Iller sieht man erstmal nichts mehr.

Die Landschaft ist wunderschön – aber es ist ein ständiges Bergauf und Bergab. Lange Steigungen wechseln mit rasanten Talfahrten ab. Wir konnten viele Steigungen nicht fahren, sondern mussten schieben – mit Gepäck und unseren doch recht schweren Rädern ist das leider kein Genuss mehr. So sehr ich die Talfahrten genossen habe (streckenweise kommt man da auf 40 Stundenkilomter!), das aufwärts schieben über lange Strecken ist einfach doof.

Zum IllerdurchbruchBei Oberkotten gibt es den Illerdurchbruch zu bestaunen. Der Fluss muss sich hier bei einer Talverengung durch eine massive Felsrippe arbeiten. Ockerfarbener Mergel und Sandsteinbänke bilden ein hartes Hindernis, dass sich der Kraft des Wasser widersetzt.

Von hier aus kann man auch zur Burgruine Kalden wandern. Im Frühjahr ist das bestimmt eine Wanderung wert!

 

Wir hatten irgendwann keine Lust mehr, die nächste Steigung schiebend zu erklimmen und haben uns in Lautrach dazu entschlossen, die Tour abzubrechen und in Aichstetten zum Bahnhof zu fahren. Zuerst einmal musste man hinunter ins Dorf, dann mussten wir auf der anderen Seite wieder hinauf – schiebend. In Aichstetten haben wir dann festgestellt, dass die Bahnstrecke gesperrt ist und es einen Schienenersatzverkehr gibt. Mit Bussen. Arrrrgh!

Leider nehmen die Busse weder Waschbären noch Fahrräder mit. Ich habe meinen Menschen dann gesagt, sie sollen doch lieber nach Memmingen fahren – das kennen wir schon, da ist es schön! Und Eis gibt es auch. Das hat sie wieder versöhnt. Wenn die beiden mich nicht hätten!

So haben wir es auch gemacht und sind ziemlich verschwitzt in Memmingen angekommen. Im Hotel Riku sind wir gut untergekommen, haben in Memmingen Eis gegessen und abends sehr leckere Maultaschen-Variationen verputzt. Wer in Memmingen Station macht, sollte unbedingt im Barfüßer – Die Hausbrauerei vorbeischauen.

Memmingen  Memmingen

Memmingen  Memmingen

Memmingen ist unbedingt sehenswert! Ich finde, dass Memmingen einen Hauch von Italien hat.

Schon im Altertum war Memmingen ein bedeutender Handelsposten, hier kreuzten sich die Salzstraßen von Ost nach West (von Österreich nach Lindau) und von Nord nach Süd (von Norddeutschland in die Schweiz). Bereits 1158 wurde Memmingen zur Stadt erhoben. Sie wechselte ein paar Mal den Besitzer: Welfen, Staufer, Habsburger und dann freie Reichsstadt.

Während des Bauernkrieges hielten die oberschwäbischen Bauernhaufen in Memmingen ihre Versammlungen ab und verfassten hier 1525 die 12 Artikel – die ersten schriftlich niedergelegten Menschenrechte. Danach nennt sich Memmingen unter anderem auch “Stadt der Menschenrechte”.

Wallenstein hat sich im Dreißigjährigen Krieg hier einige Wochen aufgehalten und die Stadtchronik verzeichnet glücklich und dankbar, dass der Feldherr ihnen drei Wochen Kriegspause bescherte: “Es hat Glück und Heyl gewest!” In Erinnerung an diese Zeit werden alle vier Jahre die Wallensteinfestspiele gefeiert. Die nächsten werden 2020 stattfinden.

In Memmingen endete unsere Tour. Wir hatten am nächsten Tag keine Lust mehr, noch bis zur Donau zu radeln und haben den Zug zurück nach München genommen.

Mit vielen Grüßen von
Eurem Waschbären mitsamt Menschen

20180916_064857Alle von rechts kommenden Flüsse aus dem Donauspruch sind wir jetzt schon entlang geradelt:
Iller, Isar, Lech und Inn
fließen rechts zu Donau hin
Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen
kommen ihr von links entgegen

Der Spruch unterschlägt einige, die auch von rechts kommen. Um nur zwei zu nennen, die wir auch schon geradelt sind: Paar und Vils. Also nach Isar, Lech, Inn, Paar und Vils war jetzt die Iller dran.

Illerursprung in OberstdorfBeginn des Illerradweges ist Oberstdorf im Allgäu. Hier fließen Breitach, Stillach und Trettach zusammen und bilden die Iller. Links seht Ihr den “Illerursprung” – auch wenn man die drei Zuflüsse nur erahnen kann. Nach 147 km mündet die Iller bei Neu-Ulm in die Donau. Von rechts, wie der Spruch schon sagt.

Tag 1 bUnser Start war der Bahnhof von Oberstdorf. Von München ganz bequem mit der Bahn zu erreichen.

Auf der Karte seht Ihr, dass meine Menschen das ganze Stück zurückgeradelt sind, das wir vorher mit der Bahn gefahren wurden. Warum sind wir dann nicht gleich in Kempten ausgestiegen? Als Waschbär verstehe ich die Menschen mal wieder nicht!

Tja, muss man auch nicht verstehen. Aber ich wollte unbedingt am Illerursprung starten. Am Bahnhof Oberstdorf sollte der Illerradweg losgehen. Tut er auch, ist aber leider nicht ausdrücklich ausgeschildert. Wir haben nur ein normales Fahrradweg-Schild gefunden und mussten erst mal die Karte konsultieren. Das finde ich immer doof. Wenn man schon Fernradwege anlegt und mit so großem Aufwand bewirbt wie den Illerradweg, sollte er auch deutlich beschildert sein.

OberstdorfAber wir haben ihn gefunden und sind aus Oberstdorf rausgeradelt auf die Iller zu. Um uns herum ein schöner Blick auf die Allgäuer Berge – zum Glück müssen wir da  nicht rauf!

 

Iller bei BihlerdorfDer Radweg ist schön angelegt, folgt der Iller mal links, mal rechts und im Gegensatz zu anderen Flusswegen sieht man den Fluss auch meistens. Es geht über Fischen im Allgäu, an Sonthofen vorbei nach Immenstadt. Das Illertal ist breit und wird landwirtschaftlich genutzt – viele Wiesen, manchmal Felder mit Mais. Immer wieder kleine Dörfchen, die man allerdings alle umgeht. Wer sich mit Getränken versorgen will, muss vom Radweg abbiegen! Links und rechts immer noch die Allgäuer Berge im Blick. Es lohnt sich wirklich, auf einer der Bänke Pause zu machen und die Landschaft zu genießen.

Immenstadt WasserskiBei Immenstadt gibt es einen künstlichen See, auf dem man sich an einer Seilanlage mit einem Wasserski über das Wasser ziehen lassen kann. Ich habe gestaunt, sowas kannte ich nicht. Wasserski war für mich immer ein Sport am Meer, bei dem der Fahrer von einem Motorboot gezogen wird. Aber hier hängen die Fahrer an einem Seil … auch ein Vergnügen!

In Martinszell ist der Illerradweg dann wegen einer großen Baustelle gesperrt. Wir hatten das schon vorher gelesen und waren auf die Umleitung gefasst. Der Beginn ist nicht ganz logisch ausgeschildert – aber im weiteren Verlauf ist dann die Umleitung vorbildlich beschildert und immer gut zu sehen.

Blick von Eggen nach Osten und SüdenDer neue Weg führt natürlich weg von der Iller über die Orte Martinszell (schieben!) und Eggen nach Waltenhofen, wo es wieder auf den Illerradweg geht. Die Landschaft zeigt sich hier typisch “allgäuerisch” mit sanften Hügeln und einem weiten Blick. Bis auf die kurze Strecke nach Martinszell rein konnten wir alle Steigungen fahren, es gab einige schöne bergab-Strecken und nur wenige anstrengendere bergauf-Schnaufer-Strecken.

In Eggen haben wir Pause gemacht in einem netten kleinen Kaffee mit hervorragendem selbstgebackenen Kuchen. Wenn Ihr an einem Wochenende in der Gegend seid, dann kehrt dort unbedingt ein und lasst Euch einen der frisch gebackenen Kuchen schmecken! Und wenn Ihr draußen sitzen könnt, dann lasst mal den Blick schweifen auf die Bäume in der nächsten Umgebung. Eine Zirbe habe ich entdeckt und einen ungewöhnlich riesigen Sanddorn-Strauch, der in etwa die Größe eines Weidenbaumes erreicht hat!

Weiter geht es nach Waltenhofen. Kurz vor dem Kirchlein St. Cosmas und Damian in Rauns biegt man wieder auf den Illerradweg.

Rauns-Waltenhofen St. Cosmas und DamianDie kleine Kirche hat eine wechselvolle Geschichte: 1250 wurde sie erbaut, dem Turm sieht man es deutlich an. Sie wechselte mehrfach den Besitzer, wurde 1543 zwinglianisch und gehörte dann zur Reichsstadt Kempten. Kempten war zu dieser Zeit zum reformiert-evangelischen Glauben übergetreten. Um 1800 fand in Bayern die Säkularisation statt, viele Klöster und Kirchen wurden auf Geheiß von Kurfürst Max IV. Joseph aufgelöst und das Vermögen dem bayerischen Staat zugeschlagen. In dieser Zeit wurde auch die Kirche in Rauns aufgelassen und den 26 Bauern des Ortes Rauns überlassen. Heute gehört die Kirche zur Stadtkirche des nächstgrößeren Dorfes, Waltenhofen.

Das letzte Stück an der Iller ist schattig und schön zu fahren. Wir fanden, dass der Radweg bis hierher gut gepflegt ist und sich bequem fahren lässt.

Aber kurz vor Kempten kam dann die nächste Umleitung. Ich verstehe ja, dass irgendwann irgendwas saniert wird und es Sperrungen gibt. Nur sollte bitte jemand mal überlegen, wie man einen Radweg sinnvoll umleitet. Wir mussten auf eine nasse, rutschige und sehr steile Betonrampe – ich war kaum in der Lage, mein Fahrrad da hochzuschieben. Ich bin bei jedem Schritt weggerutscht und habe viel Schweiß und einige Schimpfworte verloren.

Haha, da wusste sie noch nicht, was sie morgen erwartet!

Irgendwann waren wir oben und haben uns auf die Suche nach unserem Hotel in Kempten gemacht. Von Oberstdorf bis Kempten sind es nicht ganz 50 Kilometer.

Das Hotel St. Raphael ist ein Tagungshotel mit einem speziellen Flair: es gibt eine hauseigene Kapelle, Integration von Mitarbeitern mit Handicaps wird großgeschrieben und alle Räume sind barrierefrei. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, besonders die fröhlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter sind uns aufgefallen. Fahrräder können in der Tiefgarage untergestellt werden. Die Lage ist am Stadtrand in einem Park und entsprechend ruhig. In die Innenstadt läuft man gerade mal 10 Minuten.

Morgen geht es weiter von Kempten nach Memmingen. Da hat der Waschbär einiges zu berichten über die vielen Schimpfworte, die sein Mensch kennt!

Donau bei WindorfDie Donau ist wirklich blau! Ich habe ein Beweisfoto gemacht: blau mit kleinen weißen Wölkchen drin!

Haha! Der Waschbär hat zwar Recht, aber nur, weil sich der Himmel im stillen Altwasser bei Windorf spiegelt. Sonst ist die Donau zwar schön, aber eher schlammbraun als blau.

Am dritten Tag haben wir das Vilstal verlassen und sind auf den Donauradweg eingeschwenkt. Nur 20 km bis Passau sind wir ihn gefahren, dann ging es mit dem Zug wieder heim.

Der Donauradweg ist sicherlich einer der bekanntesten Radfernwege in Deutschland, entsprechend viele Radfahrer sind unterwegs. Es wäre schön, wenn jeder sein Velociped mit einer Klingel ausstatten würde, diese auch benutzen täte und nicht mit einem Affenzahn plötzlich auf der falschen (!) Seite überholen würde.

Jedem, der uns demnächst rechts überholt und jedem, der nicht vorher klingelt, beiße ich - der Waschbär -  ein Stück aus dem Reifen!

Donau bei WindorfBei Windorf, unserer letzten Station, ist das Fahrwasser der Donau durch mehrere Inseln unterbrochen. Sie teilen den Strom, so dass Windorf an einem ruhigen Seitenkanal liegt.

 

Eine der Inseln ist über einen Damm erreichbar und bietet einen schönen Abendspaziergang. Auwald wächst da zwar nicht mehr, aber hübsch ist es trotzdem. Schlinggewächse überdecken die Bäume, vor allem der Hopfen hangelt sich überall hoch. Hopfen windet sich im Uhrzeigersinn – also rechtsherum. Es gibt weibliche und männliche Pflanzen.

Hopfen Hopfen Hopfen

Und das kommt ins Bier? Diese komischen Puffdinger?

Diese “komischen Puffdinger” sind die weiblichen Blüten. Alle Blüten stehen zusammen in einer kleinen Ähre, jede Blüte hat am Stiel ein kleines Hochblatt. Anfangs sind diese Hochblätter ganz winzig. Wenn die Blüte befruchtet ist und die Blütenblätter abfallen, vergrößert sich das Hochblatt einer jeden Blüte. Zum Schluss sieht es aus, als wenn ein Zapfen am Ast hängt. Der Bierbrauer nennt das “Puffding” die “Hopfendolde”. Puhlt man die Blätter auseinander, sieht man in den Achseln der Blätter eine kleine Nuss – der Hopfensamen.

In den Hopfenfeldern verhindert man die Bestäubung, alle Pflanzen sind weiblich. Befruchtete Hopfendolden sollen ganz scheußlich schmecken, darum darf es keine männlichen Pflanze in der Umgebung geben. Auf den Hochblättern der verblühten Dolde bilden sich gelbe Harzkügelchen, aus denen man den Stoff Lupulin gewinnt. Lupulin dient der Haltbarmachung, als Bitter- und Aromastoff für das Bier. Je nach Hopfensorte und nach der Dauer des Mitkochens wird das Bier mehr oder weniger bitter.

Hopfendolden kann man auch nehmen, um Ungeziefer und Feuchtigkeit fernzuhalten. Das wurde früher in Bibliotheken so gemacht: getrocknete Hopfendolden wurden hinter die Bücher gelegt.

Und zu guter Letzt kann man die frischen Hopfentriebe, die im Frühjahr aus der Erde sprießen, als “Hopfenspargel” essen.

Das war es von Vils und Donau, von Gemüse und Hopfen!

Waschbär und Radfahrer sagen “Tschüss” bis zur nächsten Woche mit neuen Berichten von unterwegs!

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DSC07601Gemüse, Gemüse, Gemüse! Soviel Kohl und Zwiebeln und Gurken und Kartoffeln. Wer isst das bloß alles?

 

Der zweite Tag führt uns kilometerweit durch ein Gemüseanbaugebiet – da hat nicht nur der Waschbär gestaunt. Von Reisach geht es ostwärts immer links und rechts entlang der Vils über Eichendorf und Aldersbach nach Vilshofen an der Donau. Verfahren kann man sich eigentlich nicht, der Vilstalradweg ist überall gut beschildert. Man muss nur gut aufpassen, weil es viele Abzweigungen gibt. Hat man ein Schild übersehen, hält man sich am besten an die grobe Richtung nach Osten, dann trifft man irgendwann schon wieder auf die Bayern-Radweg-Schilder.

10.09.2018

Das Vilstal gehört zum nördlichen Isar-Inn-Hügelland. Nachweislich seit 7000 Jahren siedeln hier Menschen und haben schon früh Ackerbau betrieben. Dem fruchtbaren Boden sei Dank, der Bodenkundler spricht von Parabraunerde. Wichtig ist, dass sie locker ist und sich schnell erwärmt. Das mögen besonders die Gurken. So gehört das Vilstal heute zu einem der größten Gemüseanbau-Gebiete in Bayern.

Salat so weit man gucken kann, Rot- und Weiß- und Blumenkohl, Wirsing, Zuckerrüben, Zwiebeln und Kartoffeln.

Reihenweise Kopfsalat und Batavia, Weißkohl …

Salatfelder Weißkohlfeld 

… Kürbis und Zucchini …

Kürbisfeld Zucchinifeld

… und natürlich Gurken, Gurken, Gurken!

Bockerlbahn-Radweg bei GurkenernteDie Ernte ist Handarbeit – jeder Blumenkohl-Kopf wird von Hand herausgeschnitten, jeder Kohlkopf von Hand geschnitten und geputzt, jede Zucchini gebückt von der Staude geschnitten und jede Gurke, jede einzelne Gurke für Cornichons oder Mini-Salatgürkchen von Hand gezupft. Dazu liegen die Pflücker bäuchlings auf einem Gurkenflieger, der in der Tat von ferne wie ein Flugzeug aussieht und langsam über die Gurkenfelder fährt. Im Vorbeifahren zupfen die Erntehelfer die Gürkchen. Jeder bringt sich eine dicke Matratze, Decken, irgendwas Weiches mit.

Bisherige Versuche, automatisch Kohl oder Gurken zu ernten, sind gescheitert. Es ist und bleibt wohl noch eine Weile mühsame Handarbeit. Habt also ein bisschen Ehrfrucht vor den Gewürzgürkchen.

Wir haben auch Rotkohl-Felder gesehen. Oder heißt das Blaukraut? Mensch, wo ist dann da der Unterschied?

Da ist gar kein Unterschied. Rotkohl, Rotkraut oder Blaukraut – alles die gleiche Pflanze mit dem komplizierten wissenschaftlichen Namen Brassica oleracea convar. capitata var. rubra L.

Roh ist die Pflanze immer violett. Je nach Zubereitung wird sie dann beim Kochen rot oder blau und so zu Rotkohl oder Blaukraut. Kommen saure Zutaten ins Gericht, werden die Blätter rot – mit Essig und Wein wird’s ein Rotkohl, üblich in Norddeutschland und Baden. Kommt eher Zucker oder sogar Natron dazu, wird’s Blaukraut, wie man es in Süddeutschland serviert. Kraut sagt man im Süden, Kohl im Norden.

Blaukraut - Rotkohl

Und weil man in Bayern  “Blaukraut” kocht, gibt es dort einen schönen Spruch: “Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid”. Sagt das mal ganz schnell auf – der ultimative Alkoholtest!

Bei all dem Gemüse darf man nicht vergessen, dass man durch eine wunderschöne Landschaft fährt. Ein weiter Blick, ruhige Straßen, viele kleine Dörfer – entspanntes Fahrradfahren. Der Vilstalradweg kreuzt bei Aufhausen den Bockerlbahn-Radweg, der die  Verbindung zum Isarradweg im Westen und dem Innradweg im Osten herstellt. Wem also der Sinn nach anstrengenderen Routen ist, kann hier abbiegen und sich mit Steigungen plagen.

VilshofenBevor man Vilshofen an der Donau erreicht, müssen Fluss und Fahrradweg sich durch einen engen Durchbruch quetschen. Hier hat sich die Vils durch Granit gearbeitet, der heute noch gut sichtbar an den Hängen ansteht. Fast hundert Jahre wurde dieser Granit abgebaut. Er ist sehr hart und kann deswegen nicht als Baustein verwendet werden, war aber als Gleisschotter und Straßenpflaster sehr begehrt.

1860 erhielten die Vilshofener den Zuschlag, die Maximilianstraße und –brücke in München mit ihrem Granit zu pflastern. Auch andere Münchner Straßen sind mit Vilshofener Granit gepflastert worden. Diese Katzenköppe haben bis heute überlebt, selbst der Autoverkehr konnte ihnen bis jetzt noch nichts anhaben!

Der Vilstalradweg endet hier nach fast 120 km und mündet in den Donauradweg, dem wir morgen bis Passau folgen werden. Für heute ist erst mal Schluss und wir machen auf der nördlichen Donauseite in Windorf Quartier im Gasthof Moser.

Bis morgen verabschieden sich Waschbär und Radfahrer!