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20191112_211143Ob mein Mensch unter seinen Vorfahren Eichhörnchen oder so was hatte? Ständig höre ich sie rufen “Oh, daran habe ich ja gar nicht mehr gedacht” und “Ui, schau mal, was ich gefunden habe”! Genauso wie die Roten mit den buschigen Schwänzen, die verstecken auch ständig Nüsse und so und finden sie dann nicht wieder. Vergessliches Volk!

Jedenfalls sind total viele Sachen in irgendwelchen Schränken aufgetaucht. Langweilige Dinge wie Gummistiefel und Regenhosen, Schwimmbrillen und ein Schuhputzset. Aber dann kam dieses Spiel und ich war hin und weg! Da bin ich sogar drin – ein richtiger Waschbär. Natürlich, das muss ja sein, es geht ja auch um tolle Tiere.

Mein Mensch hat’s erklärt: das ist ein Memory. Aber man muss nicht zwei gleiche Karten finden, sondern den äußeren Ring mit dem inneren Gesicht zusammenbringen. Beim Tiger ganz einfach, aber die anderen sind ganz schön kniffelig.

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Da muss man richtig nachdenken und sich gut vorstellen können, wie das restliche Tier aussieht, wenn man bloß Ohren hat!

Wir ziehen bald um und ich sage Euch, das ist ganz schön viel Arbeit. Meine Menschen sortieren aus und sortieren noch mal aus und noch mal. Aber ein paar Sachen müssen mit. Zum Beispiel dieses Buch hier:

20191105_204135C. W. Ceram
Götter, Gräber und Gelehrte

Das Buch begleitet meinen Menschen seit 50 Jahren, hat jeden Umzug mitgemacht und wurde unendlich oft gelesen. Irgendwann ist es auf den eReader gewandert und jetzt immer in Reichweite. Aber das Original-Buch wird dennoch gehütet.

Es gibt zwei Geschichten zu diesem Buch – eine Geschichte gehört zu Pia und eine zu Ulrich und dennoch sind beide gleich.

Bei beiden hat die Mama geputzt als meine Menschen noch jung waren. Und meine Menschen haben die Mama in den Ferien begleitet – Ulrich hat beim Staubsaugen geholfen, Pia hat Blumen gegossen oder Staub gewischt. Beide haben fasziniert vor den Bücherschränken gestanden: Eichenschränke mit Glastüren, hinter denen sich Schätze verbargen. Beide haben auf dem Teppich auf dem Bauch gelegen und und zuerst heimlich gelesen, dann mit Billigung oder sogar mit ausdrücklicher Aufforderung der Wohnungsbesitzer.

Da gab es “Mutter Natur erzählt” und den Brockhaus in vielen Bänden, es gab Simmel und Konsalik und Ceram. Ceram war eine neue Welt. Die Geschichte der Archäologie so erzählt, dass eine Neunjährige und ein Zwölfjähriger in den Bann geschlagen wurde. Herculaneum und Pompeji werden entdeckt, Schliemann sucht Troja, in Kreta findet Evans das Labyrinth des Minotaurus, Carter entdeckt das Grab des Tut-ench-Amun, Koldewey staunt über Babylon und die Ruinen der Azteken werden der staunenden Welt vorgestellt. Was haben meine Menschen gelesen, atemlos und staunend und in eine neue Welt eintauchend.

Weil man ewig brauchen würde, das Buch zu lesen, wenn man nur zweimal in der Woche und nur während der Ferien eine Stunde lesen kann, hatte jemand Mitleid: Pias Mama brachte eines Tages das Buch mit heim, mit einem schönen Gruß von der Besitzerin. Seit dieser Zeit ist das Buch ein treuer Begleiter gewesen. Von Dorsten nach Vaterstetten, von Vaterstetten nach München-Giesing, von dort nach München-Sendling, dann in die erste gemeinsame Wohnung nach München-Berg am Laim, nach Neuperlach und jetzt geht es mit in den Norden.

Mit einigen anderen Buchschätzen wird es einen Ehrenplatz im neuen Zuhause bekommen.