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IWaschbaer mit Trachtenhutm Tiergarten kann man Herrn Fontane als Wanderer sehen. Ich bin ja auch ein großer Wanderer, aber an sein Pensum komme ich doch nicht ran!

Der Berliner Tiergarten wurde seit 1849 mit “patriotischen” Denkmäler verschönert. Preußens Königin Luise steht in einem hübschen kleinen Garten, der vielen Karnickel wegen ist hier alles eingezäunt. Am Rand entlang findet man Lessing und Wagner und eben Fontane. Vom Potsdamer Platz ist es eine kleine Wanderung entlang der Tiergartenstraße, vorbei an der japanischen Botschaft, über die Hofjägerstraße in Richtung Cafe am Neuen See.

20190401_154750Stilecht steht der große Theodor als Wanderer da. Damit wird seinem zur damaligen Zeit bekanntesten Werk gehuldigt: Die Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

In fünf Bänden hat Fontane die Anekdoten und Geschichten, die Sehenswürdigkeiten und die Landschaft der Mark beschrieben: Die Grafschaft Ruppin, Oder-, Havel- und Spreeland und als Schluss die “Fünf Schlösser”.

Fontane wollte zeigen, dass nicht nur ferne Länder sehens- und beschreibenswert sind. Nach einer Schottland-Reise hatte er die Idee, genauso die heimische Landschaft zu beschreiben:

“Je nun, so viel hat Mark Brandenburg auch. Geh’ hin und zeig’ es!”

schreibt Fontane in “Jenseits des Tweed”.

Seine Schilderungen basieren zum einen auf eigenem Erleben und Gucken und Reden mit den Leuten. Zum anderen hat Fontane gründlich die Geschichte studiert, hat alte Kirchenbücher gewälzt, Familienarchive studiert und jeden gründlich genervt, der Auskunft geben konnte. Sagen und Legenden hat er genauso gesammelt wie mündliche Überlieferungen der Bevölkerung. Von Vorteil war es bestimmt, dass Fontane das märkische Platt nicht nur verstand, sondern selber gesprochen hat.

Ich habe noch nicht alle fünf Bände gelesen, aber so Stück für Stück, immer mal wieder zwischendurch - ich wandere so langsam mit Fontane, er durch die Mark, ich durch fünftausend Seiten.

Viele der Geschichten finden sich auch in Fontanes Romanen und Novellen. Besonders schön finde ich die Geschichte vom See Stechlin, die Fontane im Roman “Stechlin” im zweiten Kapitel schreibt:

Einer der Seen, die diese Seenkette bilden, heißt »der Stechlin«. Zwischen flachen, nur an einer einzigen Stelle steil und kaiartig ansteigenden Ufern liegt er da, rundum von alten Buchen eingefaßt, deren Zweige, von ihrer eignen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze berühren. Hie und da wächst ein weniges von Schilf und Binsen auf, aber kein Kahn zieht seine Furchen, kein Vogel singt, und nur selten, daß ein Habicht drüber hinfliegt und seinen Schatten auf die Spiegelfläche wirft. Alles still hier. Und doch, von Zeit zu Zeit wird es an ebendieser Stelle lebendig. Das ist, wenn es weit draußen in der Welt, sei's auf Island, sei's auf Java zu rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird. Dann regt sich's auch hier, und ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in die Tiefe. Das wissen alle, die den Stechlin umwohnen, und wenn sie davon sprechen, so setzen sie wohl auch hinzu: »Das mit dem Wasserstrahl, das ist nur das Kleine, das beinah Alltägliche; wenn's aber draußen was Großes gibt, wie vor hundert Jahren in Lissabon, dann brodelt's hier nicht bloß und sprudelt und strudelt, dann steigt statt des Wasserstrahls ein roter Hahn auf und kräht laut in die Lande hinein.«

Für die Wanderungen braucht man einen langen Atem - auch als Leser. Action darf man nicht erwarten, aber genussreiche Schilderungen voller Ruhe und Poesie, getragen von Humor und Liebe zu Menschen und zur Landschaft.

Auch Fontanes Romane leben von Landschaftsbeschreibungen und langen Exkursen zur Geschichte der Adeligen mit all ihren Schrullen und liebenswerten Macken. Originale wie der Dubslav im Stechlin oder das Hoppenmarieken in “Vor dem Sturm” machen mir viel Freude und nehme die Bände immer wieder gerne zur Hand.

Wer mit Fontane beginnen will, sollte die “Grete Minde” oder “Unter dem Birnbaum” anschauen. Beides bieten Sozialkritik, Psychologie, Mord, Verfolgung … für Theodor Fontane richtig viel Action!

20190309_180658Im Fontane-Jahr müssen wir natürlich gucken, was es in Berlin zu sehen gibt. Direkt am Hotel zum Beispiel eine Plakette, dass er hier mal gelebt hat!

Theodor Fontane ist zwar nicht in Berlin geboren, hat aber sechzig Jahre in dieser Stadt gelebt. Geboren ist am 30. Dezember 1819 in Neuruppin und dort hat er auch seine frühe Kindheit sowie die ersten Gymnasialjahre verbracht. In Berlin hat er Gewerbeschule besucht und seine Ausbildung zum Apotheker absolviert. In verschiedenen Berliner Apotheken hat er später als Apotheker-Gehilfe gearbeitet. Unter anderem in Berlin-Kreuzberg am Mariannenplatz im ehemaligen Diakonissinenkrankenhaus Bethanien. Zwischen 1870 und 1890 verbrachte er als Theaterkritiker für die Vossische Zeitung viele Abende im “Königlichen Schauspielhaus” am Gendarmenmarkt. Das sind wohl die einzigen Gebäude, in denen Theodor ein- und ausging, die noch stehen.

Ab 1872 haben sich die Fontanes mit ihrer wachsenden Familie eine Wohnung in der Potsdamer Straße 134c geleistet - und hier haben sie gewohnt, bis Fontane 1898 starb. Das ist direkt hinter dem Hotel, indem wir immer unsere Berlin-Woche verbringen.

Waschbär und Mensch haben sich auf die Suche gemacht, denn es soll hier noch eine Plakette an das Wohnhaus erinnern. Das Haus selber ist längst verschwunden, hier breiten sich heute die Potsdamer-Platz-Arkaden aus.

20190331_135309Und wir sind tatsächlich fündig geworden. Eine kurze Stichstraße zweigt von der Alten Potsdamer Straße ab … sie heißt “Joseph-von-Eichendorff-Gasse”! Wenn das der Theodor wüsste!

Direkt an der Ecke gibt es links am Gebäude eine Erinnerung an Theodor Fontane:

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Theodor Fontane  (1819-1898) lebte von 1872 bis zu seinem Tode im Hause des Johanniter-Ordens Potsdamer Straße 134c.
“…zuletzt dann vorbei an der Bismarckpforte kehr' ich heim zu meinem alten Orte, zu meiner alten Dreitreppen-Klause, hoch im Johanniterhause.“

Der Vers ist ein Teil eines Gedichtes von 1895, in dem Fontane seinen täglichen Spaziergang beschreibt:

Meine Reiselust

Jetzt zwischen Link- und Eichhornstraße
meß' ich meine bescheid'nen Maße,
höchstens bis Königin Luise
wag' ich mich vor, umschreitend diese,
bleib' dann ein Weilchen noch in dem Bereiche
des Floraplatzes am Goldfischteiche.
Der Wrangelbrunnen bleibt mir zur Linken,
rechtsher seh' ich Goethe winken,
zuletzt dann vorbei an der Bismarckpforte
kehr' ich heim zu meinem alten Orte,
zu meiner alten Dreitreppen-Klause,
hoch im Johanniterhause.

20181024_093015Ich melde mich aus Berlin, der Stadt der Bären. Mein Mensch kann nicht so richtig - sie schnupft und schnieft und will nicht raus.
Also muss ich ran: Hier gibt es einen Großen Tiergarten und ich wollte natürlich die Tiere sehen! Gibt aber keine, nur Bäume. Ja, wieso heißt das dann Tiergarten? Mensch, erklär doch mal!

Von oben aus dem 16. Stock am Potsdamer Platz sieht man die Bäume im Tiergarten - eine ziemlich ausgedehnte Waldfläche mitten in der Stadt. Tiere gibt es hier auch, die sind wahrscheinlich alle schnell abgehauen, als der Waschbär kam: Blau- und Kohlmeisen, Spechte, Eichhörnchen …

Ursprünglich lag der heutige Große Tiergarten vor den Toren der wachsenden Stadt Berlin und war das Jagdrevier der Kurfürsten von Brandenburg. Es gab Rehe und Hirsche und Wildschweine. Zäune verhinderten, dass die Tiere sich auf den Äckern der umliegenden Dörfer sattfraßen.

Unter Friedrich I. schlug man eine breite Schneise von der Allee “Unter den Linden” zum neuen Schloss Charlottenburg. Schnurgerade zieht sich noch heute die Straße-des-17.-Juni bis zum Großen Stern mit der Siegessäule.

Da Friedrich der Große kein Jäger war, ließ er die Zäune abbauen und wies seinen Architekten an, aus dem Jagdrevier einen Erholungspark für die Berliner zu machen. Das war im Barock - das war die Zeit der Labyrinthe und Zierteiche, der geometrischen Blumenbeete und der Skulpturen.

Aber auch der Zoo hat hier seine Keimzelle. Es wurde eine Fasanerie angelegt mit Pfauen und anderen kleinen exotischen Tieren. Später entstand daraus der Zoologische Berlin.

Tiergarten  hat also seine Berechtigung, auch wenn heute ein “Tiergarten” ein “Zoo” ist und kein Park.

20180723_153159Am Potsdamer Platz an der Einmündung der Alten Potsdamer Straße steht ein “Verkehrsturm” - die erste Ampel Berlins und eine der ersten Deutschlands. Sie wurde 1924 aufgestellt, um den immer heftiger werdenden Verkehr am Potsdamer Platz zu regeln. 1990 hat man den  Turm nachgebaut und hier aufgestellt, nicht ganz an der gleichen Stelle wie früher, sondern versetzt auf einem Fußgängerbereich.

Damals war der Potsdamer Platz fast noch verkehrsreicher als heute: täglich passierten 20.000 Autos den Platz, 26 Straßenbahnen kreuzten sich mit fünf Buslinien sowie S-Bahn- und U-Bahnlinien. Letztere mussten natürlich nicht an der roten Ampel halten. Zwischen diesem ganzen  Getümmel hopsten 83.000 Reisende herum, die sich eine Lücke im Strom der motorisierten Zeitgenossen suchen mussten, um auf die andere Straßenseite zu kommen.

22.07.2018_0006 Anfangs hat ein Schutzmann auf einem drei Meter hohen Hochstand gestanden und kräftig in die Trompete geblasen, wenn alles stehen  bleiben sollte.

(Bild Common Licence https://www.wikizero.com/de/Datei:Bundesarchiv_Bild_146-1998-012-36A,_Potsdamer_Platz.jpg)

Kommentar vom Waschbären:
Ich stelle mir vor, wie das ging: einmal blasen - alles bleibt stehen, zweimal tuten - die Querstraße darf losdüsen, dreimal  tuten - jetzt sind die anderen dran? Viermal tuten ist dann wohl: jetzt reichts, macht doch, was ihr wollt!

 

20180723_153136Naja, jedenfalls war der arme Polizist irgendwann heillos überfordert. Der “Posaunenengel” konnte sich einfach nicht länger Gehör verschaffen. Eine andere Lösung musste dringend her und die fand man  in den USA. Dort gab es bereits Ampeltürme, die der deutsche Architekt Jean Krämer nachempfand und die Firma Siemens realisierte. Ein über acht Meter hohes fünfeckiges Gestell, gekrönt von einem Dach, darunter an allen  fünf Seiten eine Uhr und jeweils drei Lichter: damals grün, weiß und rot. Im Nachbau ist es grün, gelb, rot - wie wir es heute kennen.

Die fünf Seiten  waren nötig, weil am Potsdamer Platz fünf Straßen zusammenkamen. Im Unterschied zu heutigen Ampeln lagen die Lichter neben-, nicht untereinander. 

Im  Innern saß nach wie vor ein Polizist mit einer Stoppuhr und schaltete die Ampelzeichen. Ich weiß leider nicht, wie oft er raussausen musste, um uneinsichtige Autofahrer zur Ordnung zu rufen. Denn anfangs wollte wohl niemand einsehen, dass man vor einem dummen Lichtsignal still stehen sollte. Vielleicht hatten die Berliner den Eindruck, dass sie sich wie die Schweizer im “Wilhelm Tell” vor dem Hut des Landvogtes verbeugen sollten?

1926 hat Berlin versucht, alle Ampelanlagen zentral zu steuern - mit einem gigantischen Verkehrsstau als Folge. Alle Ampeln in der Stadt schalteten gleichzeitig auf rot und ganz Berlin stand. Dann schalteten alle wieder grün und das Verkehrschaos war komplett. Man musste sehr schnell nachrüsten: mit einer grünen Welle.

20180723_153224Abgebaut wurde das gute Stück 1936. Als Nachbau kam sie dann 1997 wieder an ihren alten Platz (naja, fast an den alten Platz). Sie leuchtet auch ganz tapfer vor sich hin, aber nicht im Takt mit den richtigen Ampeln.

 

 

Die erste Ampel der Welt (wie wir sie heute noch verwenden) nahm übriges 1914 im nordamerikanischen Cleveland ihren Dienst auf. Gelb gab es noch nicht, nur Rot und Grün.

Um einiges älter war ein Signalmast in London mit Gaslaternen für die Nacht und mechanischen Armen  für den Tag. Er wurde schon 1868 in Betrieb genommen. Leider war die Gasbeleuchtung ein Problem: es gab mehrere Explosionen und 1869 wurde ein Bobby schwerverletzt. London verzichtete dann erst mal auf Ampelanlagen.

In Deutschland war Hamburg zwei Jahre schneller als Berlin: 1922 regelte dort die erste Ampel den Verkehr.

Das war es von der ältesten Ampel Berlins von Eurem Waschbären

20180720_092637Ich habe jetzt auch einen Koffer für meine vielen Reisen mit meinem Menschen. Selbst als Waschbär schleppt man ja doch eine Menge Zeugs mit rum!

 

Heute geht es nach Berlin. Also, wir müssen in Berlin aussteigen. Der ICE fährt natürlich viel weiter – bis nach Rügen! Ich finde das toll: morgens zum Frühstücken ist man noch in München und guckt ins Gebirge, das Abendessen gibt es schon in Binz und man hört das Schwapp-Schwapp der Wellen. Ich muss meinen Menschen unbedingt überreden, dass wir das auch mal machen.

Unser ICE fährt um 8:55 in München los. Der erste Halt ist Nürnberg, dann kommen Bamberg, Erfurt, Leipzig, Lutherstadt Wittenberg und schon sind wir in Berlin. Zuerst hält der Zug in Berlin Südkreuz und um 13:29 kommen wir am Hauptbahnhof an. Wenn wir pünktlich sind.

In Wittenberg waren wir schon mal. Natürlich hat mein Mensch das Lutherhaus angeguckt, war im Melanchthon-Haus und war schwer beeindruckt. Mir haben die Cranachhöfe gefallen. Ganz viel Fachwerk, alles ganz krumm und schief. Und einen Innenhof mit Bäumen und ganz altem Pflaster.

DSC05837Dort sitzt doch tatsächlich Meister Lucas Cranach im Hof! Glaubt Ihr nicht? Ist aber so. Ich habe extra Fotos gemacht. Das ist der große Maler, er guckt ganz schön streng.

 

DSC05835Aber ich habe ihm sogar über die Schulter gucken dürfen. Auf der Tafel entsteht gerade das Porträt von Martin Luther.

 

DSC05839Die Kirchentür, an der Martin Luther seine Thesen angeschlagen hat, haben wir uns natürlich auch angeguckt. Man sieht aber gar nichts mehr, bloß eine große Tür. Ich habe mir vorgestellt, wie sich damals alle um das Plakat gedrängt haben und jeder lesen wollte. Das war bestimmt ein ganz schönes Geschubse, denn so viel Platz ist da nicht vor der Tür.

 

DSC05838Ich als Waschbär war natürlich ganz begeistert von den kleinen Bächen in der Stadt. Wasser ist immer toll! Es gibt viel zu wenig Wasser in den Menschenstädten. Ich finde, es muss überall plätschern und rauschen und rieseln. Hier waren die kleinen Kanäle besonders hübsch geschmückt mit Blumenkästen und kleine Brücken führten darüber (was total überflüssig ist – ein Hops und man ist drüben; das schafft sogar ein Mensch!).

 

Heute fahren wir aber nur durch. Vom Potsdamer Platz aus Berlin berichte ich in der kommenden Woche! Da gibt es eine große Giraffe, ganz aus Legosteinen. Ob die auch mal einen Waschbären bauen? Ich könnte Modell stehen! Außerdem hat man einen Verkehrsturm aufgebaut, der ab 1924 den Verkehr geregelt hat. Was das ist? Nun, das erkläre ich Euch in der nächsten Woche. Mit Foto, denn ich habe jetzt meinen eigenen Fotoapparat Smile

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Viele Grüße

Euer Waschbär