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20190427_095302Wir sind zwar in Nordfriesland dem Deichgrafen nicht leibhaftig begegnet (mal abgesehen davon, das eine Menge Restaurants und Hotels “Deichgraf” heißen), aber es gibt einen Hauke-Haien-Koog bei Dagebüll.

Theodor Storms Novelle “Der Schimmelreiter” spielt an der nordfriesischen Küste. Der junge Deichgraf Hauke Haien lässt gegen den Widerstand der Ortsansässigen eine neue Form des Deiches bauen: flach geneigt zur See, steil zum Land – viel sicherer, aber auch viel aufwändiger zu bauen. Als eine Sturmflut den Deich gefährdet, bleibt der neue Deich stehen, aber der alte bricht. Der Schimmelreiter stürzt sich zusammen mit Frau und Kind in die Lücke und erscheint seitdem jedes Mal, wenn Gefahr in Verzug ist am Deich.

20190425_093148Ist der Hauke-Haien-Koog zwischen Schlüttsiel und Fahretoft also auf den Hauke Haien aus der Storm-Novelle zurückzuführen? Nein, leider nicht. So schön die Geschichte auch ist, der heutige Koog hat nichts mit dem Schimmelreiter zu tun.

20190425_100045Der Koog wurde erst 1958 bis 1960 durch Eindeichung gewonnen und diente von Anfang nicht ausschließlich der landwirtschaftlichen Nutzung: ein Novum in der Geschichte der Köge. Der Hauke-Haien-Koog ist der erste Koog, bei dem der Naturschutz von Anfang an im Spiele war. Die Betreuung hat schon seit 1967 der Verein Jordsand.

Storm hatte beim Schreiben der Novelle ein anderes Gebiet etwas weiter südlich im Auge: die Hattstedter Marsch und der Hattstedter Koog. Aber auch dort hat Hauke Haien nicht gewirkt. Die Figur des jungen Deichgrafen geht vermutlich auf eine Sage von der Weichsel zurück. Ursprünglich ist der Schimmelreiter also kein Friese.

Als “Vorlage” für den Charakter Hauke Haiens diente allerdings ein Mann aus Fahretoft, einem Dörfchen ganz nahe am heutigen Hauke-Haien-Koog. Storm nahm sich Hans Momsen zum Vorbild: ein Landmann, der sich als Autodidakt in Mathematik und Mechanik soweit fortbildete, dass er Seeuhren, Teleskope und Orgeln bauen konnte. An ihn wird heute noch in Fahretoft erinnert.

Auch neue Deichprofile wurden in Nordfriesland das erste Mal erprobt. Hier war der Deichbaufinanzier Jean Henri Desmercières federführend. Er sorgte dafür, dass die Bredstedter Bucht eingedeicht wurde; heute erinnern ein Koog (der Desmercières-Koog) und Straßennamen an den gebürtigen Franzosen, der in dänische Dienste getreten war.

Im Hauke-Haien-Koog gibt es zwei Speicherbecken, die gut von der Straße (L191) eingesehen werden können. Stehenbleiben ist aber eine schlechte Idee, die Straße ist die Verbindung nach Schlüttsiel und Dagebüll und entsprechend frequentiert.

Es gibt aber einige Parkbuchten und auch eine Beobachtungshütte, an denen man gefahrlos parken kann.

Neben den beiden Speicherbecken Süd und Nord ist besonders der im Norden gelegene See Osewoldter Koog empfehlenswert. Er befindet sich westlich der Straße und ist durch einen niedrigen Damm von der Straße getrennt. Wenn man über den Schafzaun klettert und den Kopf ganz langsam über den Damm streckt, hat man eine vielfältige Vogelwelt direkt vor der Nase: zur Zugzeit hunderte von Weißwangengänsen, ein halbes Dutzend Schwarzhalstaucher, Kampfläufer, Säbelschnäbler und andere Limikolen

20181121_212810Mein Mensch büffelt Pflanzen und ich lerne natürlich mit!
Heute haben wir schwarze Listen angeguckt - tja, kennt die einer?
Rote Liste, ok. Aber schwarze? Mensch, erklär doch mal!

 

 

 

 

Rote Liste kennt nicht nur der Waschbär, die kennt wohl jeder: vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere stehen da gewöhnlich drauf. Aber es gibt auch eine rote Liste von Arzneimitteln - nein, die sterben nicht aus! In dieser roten Liste gibt es Informationen zu allen Arzneien, die für Menschen verschrieben werden. Es gibt auch rote Listen für gefährdete Haustierrassen, für gefährdetes Welterbe oder gefährdete Lebensräume.

Schwarze Listen oder Blacklists sind schon lange in Gebrauch: auf ihnen finden sich Dinge wie verbotene Bücher, unerwünschte Personen oder eben unerwünschte Pflanzen und Tiere. Die aggressiven pflanzlichen Einwanderer  wie der Japanische Staudenknöterich oder das Kanadische Berufkraut oder der Riesen-Bärenklau stehen auf einer schwarzen Liste. Der Waschbär übrigens auch …

Naja, meine Verwandten sind schon Banditen. Sie rumoren auf Dachböden, fressen alles, was nicht weggesperrt ist und klauen Katzenfutter. Was sie sonst noch so anstellen, will ich gar nicht wissen. Aber ICH will nicht auf eine schwarze Liste!

Es gibt auch schwarze Listen für schwarze Schafe im Handwerk: Rohrreinigung oder Schlüsseldienste oder Schädlingsbekämpfer, die als Abzocker enttarnt wurden, finden sich dort wieder. Auch Spammer landen  auf schwarzen Listen und deren Mails werden gar nicht erst zugestellt oder mit [Spam] gekennzeichnet.

Eine der schwarzen Liste ist aber durchaus positiv: die Robinson-Liste. Da kann man sich eintragen, wenn man keine unerwünschte Werbung kriegen will. Setzt allerdings voraus, dass sich die Werbeversender auch daran halten …

Das Gegenteil sind weiße Listen, Whitelists - hier findet sich Erwünschtes oder Empfehlenswertes. Es gibt Whitelists für Medienangebote für Kids (fragFINN.de) oder für nicht bedrohte Arten.

In der blauen Liste stehen die Pflanzen und Tiere, die erfolgreich erhalten wurden. Das Projekt der “Blauen Liste” stammt aus der Schweiz und wurde von der ETH Zürich betreut. Es lief von 1980 bis 1995 und es wurde protokolliert, welche Arten der Roten Liste erhalten oder stabilisiert werden konnten. Immerhin kam die Zähler auf 317 Arten wie den Mittelspecht oder die Kleine Orchis.

Viele Grüße von Waschbär und Mensch