Springe zum Inhalt

Kornblumen und Klatschmohn kennen die meisten als Blumen in Kornfeldern. Zumindest auf den Gemälden sahen die Felder früher so aus: Getreide durchsetzt mit blauen Kornblumen und rotem Klatschmohn. Und da gab es noch eine dritte im Bunde: die hell-violette Rade.

20200720_100521Der Bauer und sein Sohn

Der Bauer steht vor seinem Feld
und zieht die Stirne kraus in Falten.
"Ich hab den Acker wohlbestellt,
auf reine Aussaat streng gehalten;
nun seh mir eins das Unkraut an!
Das hat der böse Feind getan!"

Da kommt sein Knabe hochbeglückt,
mit bunten Blüten reich beladen;
im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt: "Sieh, Vater, nur die Pracht!
Die hat der liebe Gott!" gemacht!"

Julius Sturm

Julius Sturm lebte von 1816 bis 1896, in dieser Zeit gab es also noch das Dreigestirn im Acker von Mohn, Kornblume und Rade. Rade oder Kornrade oder Ackerrade oder Kornnelke oder Kornrose – alles deutet auf die enge Verbindung zwischen der Blume und dem Getreide.

Die Kornrade ist in Deutschland so gut wie verschwunden und ist hier vom Aussterben bedroht. Ihr Verbreitungsweg war immer eng an die Getreideaussaat gekoppelt, wild kommt sie in Deutschland kaum vor. Ihre Samenkapseln sind fest und platzen nicht von alleine, erst mit dem Dreschen der Getreidekörner wurden auch die Raden-Kapseln zerstört und die Samen freigesetzt.

Mit der Saatgutreinigung war die Verbreitungskette abgerissen und da die Pflanze sich konnte nicht selber verbreiten konnte, verschwand sie aus Deutschland. Ihr Wuchs ist perfekt an das Wachstum von Getreide angepasst. Rasch schiebt sie sich bis zum 1 Meter in die Höhe und ist immer ein kleines bisschen schneller als das Getreide. So gucken ihre hübschen violetten Blüte über das Getreide hinaus.

Hübsch ist sie und gefährlich. Die ganze Pflanze ist stark giftig, auch die Samen. Sie galt lang als ein gefürchtetes Ackerunkraut und gilt als verantwortlich für viele Vergiftungen durch Getreide in früherer Zeit. Heute sind Vergiftungen sehr selten, die Reinigung des Saatgutes eliminiert solche fremden Samen zuverlässig. Allerdings ist die Pflanze dadurch eben auch fast ausgerottet worden.

Inzwischen kann man aber die Samen ganz normal im Samenhandel kaufen und im Ziergarten aussäen. Das lohnt sich wirklich, denn sie ist eine sehenswerte Pflanze mit wunderschönen Blüten und einem attraktiven schlanken Wuchs. Attraktiv sind auch die Blütenbesucher: Schmetterlinge. Fast alle Tagfalter besuchen die Kornrade.

Die langen Wurzeln suchen in bis zu einem Meter Tiefe Wasser. Ihre Blätter sind lang und schmal und erinnern an Grasblätter.

Die Blüte ist abgestimmt auf die Reife des Getreides und darum in jedem Land anders. Hier in Deutschland blüht sie von Juni bis August, in wärmeren Ländern wie Portugal eher - dort kommt auch das Getreide früher zur Reife.

In früheren Zeiten galt die Kornrade als Arzneipflanze gegen Zahnweh. Im Mittelalter hat man sie gegen Geschwüre und Tumore eingesetzt. Die Dosierung war leider schwierig – zwischen “Patient geheilt” und “Patient tot” war nur ein schmaler Grat. So sah man schon bald von der Verwendung ab, heute spielt die Kornrade in der Pflanzenheilkunde keine Rolle mehr.

Ein aus Kornraden gepflückter Kranz soll das Obst davor schützen, unreif herunterzufallen. Aber ich konnte nirgendwo finden, wo der Kranz hin muss. In den Baum oder auf den Kopf?

Ins Haus bringen durfte man die Kornrade nicht, Feuersbrünste wären die Folge – so glaubte man.

Und wen die Botanik interessiert: Kornraden gehören zu den Nelkengewächsen, ihre Blüten sind "Stieltellerblüten". Die Pflanze ist einjährig, man muss sie also im Garten jedes Jahr auf's Neue aussäen. Im September kann man direkt ins Beet säen, der Winter macht den Samen nichts aus. Man kann auch im März ins Freiland säen. Ich werde versuchen, mir in diesem Jahr Samen aus den Pflanzen aufzuheben und dann auszusäen.

Wir haben den Umzug vom Süden in den Norden letztendlich gut hingekriegt. Es war zum Schluss turbulent, aber es hat geklappt.

2020-04-12 (25)

Das erste, das ich hier gelernt habe: es ist nicht flach! Von wegen, man kann morgens sehen, wer zum Kaffee zu Besuch kommt! Tellingstedt liegt auf der Hohen Geest, die von den Eiszeiten geformt wurde. Das bedeutet, dass etliche Gletscher hier ihr Geröll aus Skandinavien als Moränen abgeladen haben. Die sieht man heute noch als 40 bis 60 Meter hohe Wälle. Man sieht sie nicht nur, man muss mit dem Fahrrad auch da rauf.

Im Gegensatz zur Marsch, die nun wirklich flach und eintönig wie in Pfannkuchen ist, ist die Hohe Geest hügelig und geprägt von Mooren, Heidegebieten und Seen. Eine abwechslungsreiche, allerdings nicht ganz so fruchtbare Gegend wie die Marsch. Darum gibt es hier oben auch wenig Getreideanbau und mehr Viehwirtschaft.

Anstelle von Raps soweit das Auge blickt , ist die Landschaft hier kleinräumig: Wiesen wechseln ab mit Feldern und Heidegebieten, Moore grenzen an Wäldchen, kleine Seen verstecken sich hinter Gagelstrauch-Gebüschen. Die Vielfältigkeit zeigt sich auch in der Vogelwelt. Neuntöter und Schwarzkehlchen haben hier ihr Revier (direkt vor der Haustür!), Störche und Kraniche stolzieren über die Wiesen, Baum- und Wiesenpieper singen mit der Geldlerche um die Wette, Rohrammern und Schilfrohrsänger schaukeln auf Schilfstängeln, der Brachvogel trillert und die Uferschnepfe ruft ihren schwedischen Namen “grittagrittagritta”.

Kurzum: eine rauhe, aber schöne und abwechslungsreiche Landschaft. Wir werden viel zu berichten haben.

Als erstes stelle ich Euch die Nachbarschaft vor. Ein Beobachtungsgebiet direkt vor der Haustür ist das Dellstedter Birkwildmoor. Birkwild gibt es hier leider schon lange nicht mehr. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist es hier verschwunden.

Das Moor wurde wie eigentlich alle Moore in Schleswig-Holstein seit Hunderten von Jahren zur Torfgewinnung genutzt. Meistens wurde der Torf als Brennmaterial verw

endet, in einem waldarmen Land verständlich. Torf aus Dellstedt war aber so locker, dass man ihn kaum verbrennen konnte; er wurde als Einstreu in Pferdeställen verwendet. Seit ungefähr 1920 begann die Kultivierung des Moores, aufwändige Schöpfwerke wurden gebaut für die Entwässerung in Richtung Eider und mit einer eigens erbauten Eisenbahn wurden Dünger und Kalk ins Moor verfrachtet, um den Boden fruchtbar zu machen. Viel ist nicht dabei herausgekommen, die Nutzung wurde in den 1970er Jahren wieder aufgegeben und das Moor wurde renaturiert – sprich: man hat es wieder vernässt.

Heute ist das Dellstedter Moor ein zwar kleines, aber sehr feines Refugium für allerlei Pflanzen und Getier. Wir haben schon Kraniche, Bekassinen, Blaukehlchen, Schwarz- und Braunkehlchen, Uferschnepfen, Kiebitze, Pfeifenten und Rohrweihen gesehen.

20181215_113249Vor drei Wochen war sie noch ganz klein, die Blume. Und jetzt ist sie so viel großer als ich! Die wächst ja mit einem Affenzahn. Unten ist eine dicke Knolle und oben kommen ganz viele Blüten. Mein Mensch sagt, das ist ein Spargelgewächs.

Genau, die Amaryllis gehört zur Ordnung der Spargelartigen. So wie Orchideen und Iris, Krokusse und Freesien und natürlich der echte Spargel, den man im Frühsommer isst.

Botanisch geht leider hier ein bisschen was durcheinander. Das, was wir im Blumenhandel als “Amaryllis” kaufen heißt eigentlich “Ritterstern” und trägt den lateinischen Namen “Hippeastrum”. Das ist Griechisch und heißt das gleiche: hippeos ist der Ritter, astrum der Stern.

Kenn’ ich: Astronomie – die Sternenkunde.

Der Ritterstern kommt aus Südamerika, die echte und eigentliche Amaryllis aus Südafrika. Die echte Amaryllis heißt auch auf Lateinisch “Amaryllis”. Sie sehen sich aber recht ähnlich und so wird der Ritterstern nicht beleidigt sein, wenn man “Amaryllis” zu ihm sagt.20181215_113157

Die Amaryllis hat eine Zwiebel, so wie die Krokusse und Lilien auch – und unsere hat eine besonders dicke. Je dicker die Zwiebel, desto kräftiger die Blüte. Unsere hat gleich zwei Stiele getrieben mit jeweils vier Blüten, da kann sogar der Waschbär drin rumklettern.

Die Stiele sind hohl (bei der echten Amaryllis sind sie das nicht) und werden bis zu 80 cm hoch. Das ist aber nicht wünschenswert und darum sollte man die Zwiebel nicht so viel gießen, eigentlich gar nicht. Sie hat genug Wasser in sich und braucht keine Dusche. Je trockener sie steht, desto weniger schießen die Stiele nach oben. Je  niedriger der Stiel bleibt, desto weniger kippt er um; je höher der Stiel ist, desto eher landen die Blüten auf dem Fußboden.

Jede Blüte hat sechs Blütenblätter, rot oder rotgestreift oder weiß oder was es sonst für Züchtungen gibt. Wir mögen die knallroten und die rot-weiß-gestreiften am liebsten. Guckt man genau hin, sieht man, dass die Blütenblätter in zwei Kreisen zu je drei stehen – drei innere und drei äußere. Ganz lang guckt der Griffel mit der Narbe heraus, etwas tiefer im Innern sind die Staubgefäße.

20181127_182333Die Blätter sind ganz einfach, lang, schmal, grün. Und parallelnervig. Das ist bei Krokus und Orchidee auch so. Wenn Ihr gerade eine Orchidee zur Hand habt, dann vergleicht mal: alle Blattnerven laufen von oben nach unten und sind nicht verzweigt; der Weihnachtsstern oder ein Usambara-Veilchen oder was Ihr sonst gerade rumstehen habt hat Blätter, die “netznervig” sind. Ein Nerv in der Blattmitte und dann ein Gewirr von Nerven rundherum.

Daran unterscheidet man Einkeimblättrige – Maiglöckchen, Orchideen, Tulpen, Schneeglöckchen – von den Zweikeimblättrigen – Eichen, Geranien, Löwenzahn.

Ich kann ja zählen – und ich zähle hier ganz viele Blätter. Von wegen “Ein”-Keimblättrig.

Es heißt ja nicht Ein-Blättrig, mein lieber Waschbär. Sondern “Ein-Keim-Blättrig”. Wenn eine neue Pflanze entsteht, keimt sie mit einem Blättchen oder mit zwei. Stecke eine Eichel in den Blumentopf oder eine Buchecker, dann kommt irgendwann ein Pflänzchen mit zwei ersten Blättern; ein gerade geborenes Schneeglöckchen kommt mit einem Blatt auf die Welt und treibt dann später aus der Zwiebel viele Blätter aus.

Zwischen dem Waschbären-Foto mit den Blättern und dem auf der Blüte kraxelnden Waschbären liegen gerade mal zwei Wochen. So ein Ritterstern wächst mit enormer Geschwindigkeit.

Eines darf man nicht tun: reinbeißen. Der Ritterstern ist giftig. Überall. Allerdings sind meine Quellen etwas weit auseinander: einer schreibt, dass einen wenige Gramm ins Jenseits befördern, der andere schreibt von Brechreiz und Durchfall. Dazwischen liegen Welten … Aber grundsätzlich: man muss nicht in alles reinbeißen. Das geht besonders an den Waschbären!

Auch der Milchsaft, der aus den Stängeln reichlich heraustropft, wenn man sie abschneidet, sollte mit Vorsicht behandelt werden. Wer empfindlich ist, kann sich hier schnell Hautreizungen holen.

Waschbär und Mensch wünschen noch eine schöne Vorweihnachtswoche!

 

2

20181201_174050aIst der nicht hübsch? Ja, ich bin auch hübsch, aber ich meine den Weihnachtsstern! Ganz große rote Blüten hat er.

Hier irrt der Waschbär. Die Blüten vom  Weihnachtsstern sind winzig klein. Was da so rot leuchtet sind normale Laubblätter, die anfangs grün sind und allmählich “erröten”.

 

20181201_174415

Man kann das auch gut an den Pflanzen sehen. Einige Blätter sind grün-rot gemustert und werden nach ein paar Tagen ganz rot. Rechts sieht man von unten her ein noch ganz grünes Blatt, dann kommt ein rot-grün gemustertes, dann ein rotes.

 

 

 

 

20181201_174308Die eigentlichen Blüten sind ganz winzig und sitzen inmitten der roten Hochblätter. Da die Blüten so klein und unscheinbar sind, übernehmen die roten Hochblätter die Aufgabe der Werbung für die Blüte - sie machen Insekten aufmerksamen auf die Blüten in der Mitte. Die Blüten bestehen nur noch aus Staubgefäßen oder Griffeln mit Narben - keine Blütenblätter, kein Kelch. Es ist also die Minimalversion einer Blüte. Es gibt im übrigen  zwei Sorten Blüten (da braucht man aber eine Lupe): nur männliche und nur weibliche.

Zypressen-WolfsmilchBestimmt habt Ihr im Sommer schon mal  eine einheimische Pflanze gesehen, die sich ganz ähnlich “verhält”, auch wenn sie viel kleiner sind: unsere Wolfsmilchgewächse. Rechts seht Ihr eines, die Zypressen-Wolfsmilch. Auch hier machen Hochblätter auf die winzigen Blüten aufmerksam. Die Hochblätter sind zwar sehr viel kleiner, aber auch sie sind keine Blütenhülle, sondern Laubblätter. Sie sind anfangs gelb und verfärben sich später rötlich.

Mit dem Wolfsmilchgewächs hat der Weihnachtsstern auch eine andere Eigenschaft gemeinsam: den Milchsaft. Beide Pflanzen produzieren einen weißen, klebrigen Saft.

Das liegt daran, dass der Weihnachtsstern in die gleiche Pflanzenfamilie gehört wie unsere Wolfsmilchgewächse. Die ganze Familie heißt so: Wolfsmilchgewächse. Auf Latein ist das “Euphorbiaceae”. Der Artname des Weihnachtssterne ist Euphorbia pulcherrima. “Euphorbia” heißt geht auf einen antiken Arzt namens Euphorbus zurück und “pulcherrima” bedeutet “die Schönste”.

Alle Wolfsmilchgewächse haben Milchsaft, der mehr oder weniger stark ätzend ist und Entzündungen hervorrufen kann. Darauf bezieht sich auch der deutsche “Wolfsmilch” - gefährlich wie ein Wolf. Naja, beißen tut sie nicht, aber man sollte nicht unbedingt ohne Handschuhe mit den Pflanzen umgehen. Fingerwaschen ist immer angesagt und wenn der Saft schon geronnen ist, nimmt man Hautlotion oder eine Creme.

Waschbär und Menschen wünschen einen schönen ersten Advent mit oder ohne Weihnachtsstern!

 

20171231_134204Ob ich heute Rucola in den Salat gebe? Den haben wir auf Borkum gesehen und ich war ganz baff, dass der gar nicht wie Salat aussieht!

 

 

Mit einer Salatpflanze hat das Aussehen der Rauke oder des Rucola nicht viel gemein. An Salatblätter denkt man nicht gerade, wenn man sie sieht.

Wild wächst in Deutschland die Wilde Rauke, botanisch heißt sie auf Deutsch “Schmalblättriger Doppelsame”. Der lateinische Name ist Diplotaxis tenuifolia.

Schmalblättriges Doppelsame (Diplotaxis tenuifolia)Die Wilde Rauke gehört zu den Kreuzblütlern, lateinisch heißen sie Brassicaceae. Fleißige Asterix-Leser wissen jetzt, dass das irgendwas mit Kohl zu tun hat (siehe Asterix bei den Belgiern: “Weißt Du, wohin Du Deine Brassica pflanzen kannst?”).

Nach Wirsing oder Blumenkohl sieht die Pflanze auch nicht gerade aus – das liegt daran, dass wir von den Gemüsekohlsorten die Blüten nie sehen. Aber Ihr kennt alle Raps – auch ein Kreuzblütler und damit eine Verwandtschaft der Wilden Rauke. Und dem Raps sieht die Pflanze schon sehr viel ähnlicher. Auch die Senfpflanze sieht ganz ähnlich aus.

 

14-10-_2018_15-52-44aDie Wilde Rauke ist eine kräftige Pflanze, die mehrere Jahre wächst und ab dem zweiten Jahr auch blüht. Im ersten Jahr bildet die Pflanze nur eine Blattrosette aus, wächst also ziemlich flach und niedrig am Boden. Später wird sie bis zu 70 cm hoch, hat gelbe Blüten mit vier Blütenblättern, die wie ein Kreuz angeordnet sind – das typische Merkmal aller Kreuzblütler.

 

Die Blütenblätter sind kräftig schwefelgelb, unterseits etwas heller und recht groß. Die Blüten stehen am Ende des Stiels zu einer Traube zusammen. Von Mai bis September blüht die Pflanze – oder bis zum Oktober wie in diesem Jahr.

20181005_152533aDie Blätter sind typisch Rucola – länglich mit Einbuchtungen, etwas rau beim Anfassen und mit dem scharf-würzigen Geruch und Geschmack von Rucola. Das liegt an den Senfölen, die in vielen Kohlgewächsen vorkommen.

Wild wachsende Pflanzen können bitter schmecken, sie haben eine geringe Konzentration (5 %) einer giftigen Substanz, der Erucasäure. Das ist die bei Lebensmitteln erlaubte Menge von Erucasäure. Gezüchtete Rucola-Pflanzen haben einen geringeren Gehalt an diesem Zeugs.

Wer die Wilde Rauke ernten will sollte das vor der Blüte tun. Mit der Blüte sollen die Blätter scharf und bitter werden (ich habe es noch nicht ausprobiert, aber so liest man in der Literatur). Am besten sollen die Blätter sein, wenn man nur die Rosette (also die am Boden wachsenden Blätter des ersten Jahres) erntet, bevor der Stängel austreibt. Blätter von älteren Pflanzen eignen sich als Würze – sagt man. Vielleicht als Pesto?

Neben dieser in Deutschland auch wild wachsenden Art gibt es noch die Garten-Senfrauke (Eruca vesicaria). Das ist die “klassische” Rucola-Pflanze aus Südeuropa. Sie liebt noch mehr als die Wilde Rauke die Sonne und einen sandig-lehmigen Boden.

Wie kommt die Rauke zu ihrem komischen Namen? Schmalblättrig kann ich ja verstehen – aber “Doppelsame”?

Der Schmalblättrige Doppelsame hat seinen deutschen Namen von den Früchten: wie bei allen Kreuzblütlern sind das lange schmale Schoten. Beim “Doppelsame” sitzen die Samenkörner in dieser Schote immer in zwei Reihen nebeneinander. Also doppelte Samen. Berührt man die reifen Schoten, platzen sie auf und verstreuen ihre Samen in der Gegend.

In Deutschland kann man die Wilde Rauke seit 1798 sicher nachweisen. Eigentlich kommt sie aus Süd-, Mittel- und Osteuropa. Als südliche Pflanze liebt sie Wärme und Licht, in Deutschland findet man sie auf Brachen, im Schutt und an Wegrändern.

Mit vielen Grüßen von

Waschbär und Mensch, die jetzt Salat machen – ohne Rucola