Sand für Sylt!

Der Waschbär unterwegs als Reporter

Wir waren auf Sylt, meine Menschen und ich. Dabei waren wir auch ganz im Süden der Insel, in Hörnum und ich habe mich vor dem Leuchtturm fotografieren lassen. Ich war hin und weg vor Begeisterung. Meer und Strand und Leuchtturm und Sand und einfach alles, was man sich von einer Insel so erwartet!

Und just heute steht in der Zeitung, dass das schöne Hörnum von der Nordsee sehr bedrängt wird und die See ganz schön an der Spitze knabbert. Jedes Jahr muss Sand vorgespült werden, damit der schöne Strand nicht ganz verschwindet und die Wellen bis zum Leuchtturm platschen.

Ich habe darum nachgelesen, was das mit dem Sandvorspülen auf sich hat und wie man feststellt, wo wie viel Sand hin muss und wie das überhaupt funktioniert.

 

 

In jedem Jahr wird bei einer Strandbereisung festgestellt, wie der Zustand der Strände auf Sylt ist. Die Bürgermeister der Inselorte und die Küstenschutzbeauftragten fahren dabei alle Strände ab und begutachten die Dünenabbrüche bei Hörnum, das Rote Kliff in Kampen und all die anderen gefährdeten Strandabschnitte.

Je nachdem, wie die Sturmflutsaison im Winter war, hat sich die Nordsee viel oder wenig von Sylt einverleibt. Die Saison 2022/2023 war nicht so schlimm, wir hatten nur wenige Sturmfluten und die Gewalt der Stürme war viel geringer als im vorigen Jahr, dennoch waren die Fachleute bei der Strandbereisung am 28. März besorgt. Besonders die Südspitze bei Hörnum hat viel Land verloren – 160 Meter ist sie geschrumpft und die See hat eine mehrere Meter hohe Abbruchkante in den Dünen hinterlassen. Zwar wird der hier geklaute Sand im Norden an der Nehrung wieder abgelagert, aber die Abbruchkante wandert gefährlich nahe an Hörnum heran. 

Sylt Strand von Hörnum
Der Strand von Hörnum auf Sylt

Darum muss Sand vorgespült werden wie an vielen anderen Stellen auch. 

Die Sandaufspülungen wurden erstmals 1972 ausprobiert nachdem andere Strandbefestigungen wie Tetrapoden, ins Meer ragende Buhnen, Uferbefestigungen aus Asphalt oder mit Decksteinen oder gar hohe Mauern nichts nutzten. Egal, was man probiert hat, der „Blanke Hans“ war stärker und hat sogar schwere Granitblöcke aufgehoben und versetzt oder Stahlwände in kurzer Zeit zerfressen. 

Da die Sandaufspülungen von Beginn an gute Ergebnisse brachten hat man 1984 mit dem regelmäßigen Sandaufspülen begonnen. Sand wird nicht nur direkt auf dem Strand aufgespült, sondern auch etliche hundert Meter vor dem Strand im Meer. So entstehen Sandriffe, an denen sich die Wellen brechen können und nicht mehr mit voller Wucht auf den eigentlich Strand prallen.

Wo kommt der Sand her? Aus dem Meer. Ein Baggerschiff, der sogenannte Hopperbagger, saugt etliche Kilometer vor Sylt Sand aus größerer Tiefe. Ist der Schiffsbauch voll, steuert der Bagger die Spülleitung an und pumpt Wasser und Sand in Richtung Strand. Dort warten schon Planierraupen und verteilen alles. Bei dem Sandauftrag vor der Küste wird nicht gespült, sondern Sand direkt vom Schiff „verklappt“: Laderaum klappt auf, Sand fällt runter, Laderaum klappt wieder zu, nächste Sandladung.

In diesem Jahr (2023) schätzt man die notwendigen Sandmengen auf über 1 Millionen Kubikmeter. Darauf entfallen 230.000 Kubikmeter auf die Südspitze bei Hörnum.

Sandvorspülungen sind keine Sylter Spezialität. In den Niederlanden werden fast alle Küstenabschnitte so geschützt und auch auf den Inseln Borkum, Norderney und Langeoog wird es eingesetzt.

 

Quellen: