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10 km lang, 7 km breit, rund 5.200 Einwohner (und gefühlt mindestes doppelt so viele Touristen) – groß ist das Inselchen wirklich nicht. Trotzdem hat Borkum ein paar Besonderheiten: die westlichste der ostfriesischen Inseln, die am weitesten westlich liegende Stadt von Niedersachsen und die Insel mit dem größten Artenreichtum aller ostfriesischen Inseln. Letzteres war der Anlass, Borkum zu besuchen. Der Reiseveranstalter birdingtours aus Freiburg bietet jeweils im Oktober eine Vogelbeobachtungstour auf Borkum an.

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Ausgerüstet mit Leihrädern sind elf Teilnehmer plus Waschbär plus Tobias Epple (unser birdingtour-Führer) kreuz und quer über die Insel gefahren. Sturm, schwarze Wolken und Regen an den ersten beiden Tagen, dann blauer Himmel und zunehmend höhere Temperaturen – alles war geboten.

02.10.2018aDie Anreise geht von Emden mit der Fähre,  natürlich immer über Wasser und nicht über Land. Da hat sich Google ganz schön verguckt. Es gibt die Wahl zwischen zwei Stunden Fähre oder einer Stunde Katamaran. Ich war auf der Fähre, den Katamaran hätte ich sowieso nicht nehmen können, weil er kaputt war. Vor der Überfahrt braucht niemand bange sein, die Fähre ist riesig und liegt wie ein Brett auf dem Wasser. Da schaukelt gar nix.

Meinen Koffer hatte ich per Bahnkurier vorgeschickt. Das hat geklappt, war aber mit etwas Sorgen verbunden. Geliefert werden sollte der Koffer am Montag, ich bin allerdings erst am Dienstagmorgen angereist. Laut Nachverfolgung war mein Koffer da noch immer in Wilhelmshaven – zum Glück kam er dann zeitgleich mit mir an. Einen Tag zu spät laut Bestellung, aber pünktlich mit mir. Naja.

20181002_171653Am ersten Tag musste ich den Waschbären noch gut festhalten, damit er nicht verweht wurde. Es war ganz schön stürmisch! Und kalt! Mütze, Schal, Handschuhe – ich habe die ganze Palette gebraucht.

Gesehen haben wir am ersten Tag vor allem Hochseevögel: Silbermöwen, Basstölpel, Eiderenten und Brandseeschwalben. Ganz in der Ferne hat sich ein Sterntaucher gezeigt und auf der Sandbank haben Seehunde und Kegelrobben geschlafen. Was will man bei so einem Schietwetter auch anders tun als schlafen!

20181004_113645Aber am nächsten Tag war ich schon mutiger und bin aus dem Rucksack gekrabbelt! So schöne Möwenfedern lagen überall am Strand rum, da musste ich doch glatt mal Indianer spielen.

Ab dem zweiten Tag wurde das Wetter wesentlich besser und wir haben am Flugplatz, am Tüskendörsee und auf den Deichen viel beobachten können.

Borkum ist sehr gut mit dem Fahrrad zu erkunden. Die Wege sind befestigt, so dass man überall angenehm fahren kann. Aber: die Wege sind oft schmal und fahrradsicher sollte man schon sein! Wir hatten Leihräder, unsere Spektive und Stative hat Tobias mit einem Fahrradanhänger transportiert. Unsere Tagestouren waren zwischen 17 und 30 km lang, mit einer Mittagspause im Inselinnern oder am Hafen. Die Kuchenesser waren alle begeistert von Sanddorntorten und einige haben auch Sanddorn-Buttermilch gelobt.

Im Oktober sind viele Watvögel (Limikolen) auf dem Weg vom hohen Norden in südlichere Winterquartiere und fressen sich im Watt noch mal so richtig voll. Kiebitz- und Goldregenpfeifer, Steinwälzer und Pfuhlschnepfen, Große Brachvögel und Alpenstrandläufer, Rot- und Grünschenkel und und und.

Watvögel (u. a. Rotschenkel) und Ringelgänse

DSC06652 Ringelgänse

DSC06626 Steinwälzer

Austernfischer und ein Steinwälzer

Von den Deichen kann man sehr schön beobachten, braucht aber ein gutes Fernglas und am besten ein Spektiv. Mit freiem Auge seht Ihr nur, dass da was am Strand rumwuselt, aber Vogelarten erkennen kann man nicht. Ein Fernglas mit einer Vergrößerung von 10 zeigt da schon etwas mehr, besser ist aber wirklich ein Spektiv. Wer nur mal gucken will und sich nicht gleich in Unkosten stürzen möchte, sollte geführte Vogelgucker-Touren mitmachen. Auf den Inseln bietet der Nabu immer geführte Touren an.

Neben den Wat- und Wasservögeln machen zur Zugzeit auch kleine Singvögel hier Station. Die Inseln sind “Trittsteine” auf dem weiteren Weg. Als Besonderheit konnten wir einen Gelbbrauen-Laubsänger beobachten, der in Sibirien brütet und nur ausnahmsweise so weit nach Westen fliegt. Der kleine Kerl hat quietschfidel in Sträuchern nach Insekten gesucht.

DSC06766aMein persönliches Highlight war eine Ohrenlerche – auch sie ist ein hochnordischer Gast. Das Vögelchen war nicht besonders scheu und ist eine ganze Weile vor uns auf dem Deich herumgetrippelt. Leider war sie so emsig und ständig in Bewegung, dass ich kaum ein scharfes Foto von ihr bekommen habe. Im Prachtkleid (also im Führjahr, wenn sie auf Brautschau geht) hat die Ohrenlerche noch zwei schwarze Federohren, die nach oben wegstehen. Jetzt verzichtet sie darauf und zeigt sich eher schlicht.

20181005_115650Ich habe auch neue Freunde gefunden. Robben und Delfine und komische Vögel mit roten Nasen.

Die rotnasigen Vögel gibt es allerdings nur in Plüsch auf Borkum, das sind Papageitaucher. Die gibt es hier nicht.

Zurück ging es am Sonntag mit der Inselbahn zur Reede und von dort mit der Fähre wieder zurück nach Emden.

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Die Inselbahn ist genau auf die Abfahrt von Fähre oder Katamaran abgestimmt und im Preis bereits enthalten. Wenn auf dem Abfahrtplan steht, dass die Fähre um 10:30 Uhr geht, dann ist gemeint, dass die Inselbahn zu diesem Zeitpunkt abfährt.

So, das ist der erste Eindruck von Borkum. Es gibt noch mehr zu berichten – Fortsetzung folgt!

Bis dahin viele Grüße von
Waschbär und Mensch

20180720_092447Mauersegler und Kuckuck sind schon wieder in Afrika. Die Schwalben ziehen auch bald weg. Ob auch alle Stockenten-Herren auch den Koffer gepackt haben und nach Mallorca geflogen sind? Ballermann und so? Ich hab jedenfalls schon lange keine mehr gesehen! Mensch, wo sind die alle?

Stockenten und Stockerpel ziehen höchstens von einem Teich zum nächsten, sie sind keine Zugvögel. Aber der Waschbär hat trotzdem recht, dass er in den letzten Monaten keine Stockerpel mehr gesehen hat – sie waren allerdings nicht “wech”, sondern nur inkognito.

Reichersberger AuSo schön bunt sind die “Herren Stockente” im Prachtkleid: grün schillernder Kopf, weißer Halsring, kastanienbraune Brust. Diese schöne Kleid verlieren die Erpel ab Mai, sie mausern in das Schlichtkleid, das sie bis ungefähr Ende August behalten. Jetzt fangen sie langsam wieder an, in das Prachtkleid zu wechseln.

Solange die Erpel im Schlichtkleid sind, sehen sie wie die weiblichen Enten aus – braun gemustert. Im Schlichtlassen lassen sie sich gut durch den gelben Schnabel vom Weibervolk unterscheiden. Die Ente (unten links auf dem Foto) hat immer einen grauen Schnabel, in jedem Kleid. Der Erpel (rechts) hat in jedem Kleid einen gelben Schnabel.

StockenteStockente, Stockerpel

 

 

Stockente, StockerpelManchmal sieht man auch im Schlichtkleid die “Locken” des Erpel – gebogene Federn am Schwanz.

 

 

Beide Geschlechter haben in Schlicht- und im Prachtkleid einen schönen blauen “Spiegel”, daran kann man Stockenten gut von anderen Enten unterscheiden.

 StockenteStockente

Die Stockerpel sind also in den letzten Monaten immer noch da gewesen, aber sie waren von den Enten kaum zu unterscheiden. Das ändert sich jetzt wieder und in wenigen Wochen sieht man wieder überall die prächtig gefärbten Stockerpel.