Wichtelgeschichten

Die Wichtelfluglinie

Nach der Weihnachtszeit müssen alle Weihnachtswichtel wieder heim nach Dänemark, Schweden, Norwegen oder gar nach Island. Anders als manche Naturgeister brauchen Wichtel eine Reisemöglichkeit, so wie die Klabautermänner oder Heinzelmännchen. Klabauter nehmen das nächste Schiff, Wichtel und Heinzelmännchen können kurze Strecken auf einem Kaninchen oder einem Wiesel reiten, auch Rehe oder Rentiere nehmen das kleine Volk mit. Weite Strecken legen besonders die Wichtel mit den Vögeln zurück. 

Am Beginn der Wichtelzeit Ende November und Anfang Dezember können die nordischen Wichtel auf einen sicheren Transport mit den Zugvögeln rechnen. Es fliegen ständig Gruppen von Grau- und Weißwangengänsen, von Großen Brachvögeln, Pfuhlschnepfen oder Singschwänen nach Süden ab. Alle nehmen gerne eine Wichtel mit, denn der erzählt während des Fluges lustige Geschichten, weiß oft über neue Gefahren auf dem Reiseweg zu berichten und unterrichtet obendrein die Jungvögel. In den Flugpausen schart der Wichtel alle um sich, die erst in diesem Sommer geschlüpft sind und bringt ihnen das ABC der Naturkunde bei. Sie lernen die Gesetze der Wildnis von ihm, hören die Grundzüge der Menschenkunde und bekommen Unterricht in den verschiedenen Sprachen der Tiere.

Für das Ende der Wichtelzeit am 24. oder 25. Dezember muss allerdings ein Rückflug organisiert werden. Um diese Zeit fliegen die Zugvögel nicht mehr nach Norden, alle wollen in ihre Winterquartiere nach Süden! Damit aber trotzdem jeder Wichtel von seiner Menschenfamilie wieder heim in seine eigene Wohnung kommt, hat sich die Wichtelfluglinie gebildet. Sie besteht aus einigen Transportgänsen, die das Gepäck aufsammeln und zustellen und größeren Vögeln, die mehrere Wichtel auf einmal transportieren können, oder kleinen Vögeln, die wie ein Privat-Jet nur einen Wichtel mitnehmen. Darum seht ihr manchmal Ende Dezember Vögel in die falsche Richtung fliegen – nicht nach Süden, sondern nach Norden. Wenn Ihr ganz genau hinschaut, seht ihr, dass die Vögel eine Manschette tragen, auf der „Wichtelfluglinie“ steht und vielleicht seht ihr sogar die eine oder andere rote Mütze eines Wichtels.

Meistens sind das junge Gänse oder Schwäne, die noch keine Familie gegründet haben. Sie sind ungebunden, abenteuerlustig und nutzen die Gelegenheit, noch mehr Unterricht zu bekommen. Manchmal melden sich auch ältere Vögel, die keine Verantwortung mehr für das Jungvolk tragen und im Winter keine Pflichten haben. In der Wichtelfluglinie kann sich jeder eintragen lassen. Sie werden gefragt, wie viele Wichtel sie tragen und wie lange sie nonstop fliegen können. Auch bevorzugte Routen können sie angeben und manch einer trägt auch einen Wichtel ein, den er jedes Jahr erneut abholt und heimfliegt. 

Neben den großen Gänsen und Schwänen, die oft drei oder vier Wichtel auf einmal befördern, gibt es auch junge Seeadler und Mäusebussarde, die mehrere Wichtel tragen können. Ein Seeadler schafft es leicht, bis zu acht Wichtel auf seinem Rücken sicher unterzubringen. Kleinere Vögel wie Kiebitze, Tauben oder Enten übernehmen nur einen Wichtel. Ganz kleine, leichte Wichtel können auch mit Fichtenkreuzschnäbeln oder Seidenschwänzen fliegen.

Abflugzeiten und Boardingpass
Boardingpass und Abflugzeiten

Ein Wichtel muss bereits beim Hinflug zu seiner Menschenfamilie angeben, wann er wieder zurückfliegen möchte. Das kann der 24. Dezember oder der 25. Dezember sein. Ihm wird dann ein paar Tage vor Abflug mitgeteilt, wo der nächste Abflugpunkt ist und wann er zum Checkin erscheinen muss. Bei uns ist der Abflug am großen Hügelgrab auf der Pferdekoppel. Bis dahin kann der Wichtel laufen, er hat zwar kurze Beine, aber ein Wichtel läuft schnell, viel schneller als ein Mensch.

Am Abflugzeitpunkt wartet dann der gebuchte Vogel auf den Wichtel, manchmal sind auch mehrere Vögel da und nehmen die Wichtel aus der ganzen Umgebung auf. Wird nur ein Wichtel pro Vogel transportiert, geht es nonstop bis zur Wichtelwohnung. Reisen mehrere Wichtel mit, werden Zwischenhalte gemacht – entweder zum Aus- oder zum Umsteigen. Von uns aus geht die Standardroute zuerst zum Beltringharder Koog, das ist die Stelle, wo die Ringelgänse übernehmen und nach Schweden abfliegen. Der nächste Stopp ist der Rickelbüller Koog, von dem aus in Richtung Norddänemark der nächste Flug geht. Endstation ist die Insel Rømø in Dänemark, der Heimat unseres Wichtels Tomte.

Das Gepäck wird gesondert direkt bei der Menschenfamilie abgeholt. 

Wichtelgepäck zur Abholung
Wichtelgepäck

Das Wichtelgepäck stellt der Wichtel nach dem Abbau seiner Wichtelwohnung direkt vor die Tür. Bei mir helfen der Waschbär und seine Freunde dabei. Sie haben die große Gepäckkiste mit der Schubkarre zum Fenster gefahren und der Wichtel nimmt das große Paket draußen entgegen. Dann stellt es vor die Tür, wo die Transportvögel es abholen.

Von der Weihnachtswichtel-Schule

Weihnachtswichtel kann nur werden, wer in die Weihnachtswichtelschule gegangen ist und seinen Abschluss mindestens mit der Note „sehr gut“ gemacht hat. Besser ist es, wenn er mit „vorzüglich“ oder „meget fremragende“ – das ist dänisch und heißt „ganz vorzüglich“ – abschneidet. Dann darf er sich seine Familie aussuchen.

Um das alles zu erreichen, muss ein Wichtel sehr viel lernen und es gibt deswegen viele Wichtelschulen. Eine ist am Brendalsbreen in Norwegen, eine ist am Nissum Bredning in Dänemark. Die Türen sind winzig klein, mit Magie geschützt und können nur von Menschen gesehen werden, die an die Wichtel glauben und ihnen gut gesonnen sind.

Das wichtigste Fach auf jeder Weihnachtswichtelschule ist Menschenkunde. Zum Glück muss ein Wichtel die Menschensprache nicht lernen, denn er versteht jede Sprache und jeder Mensch versteht einen Wichtel. Wenn ein Wichtel mit Dir spricht, spricht er wichtelisch, aber für Dich hört es sich an als ob er Deutsch spricht. Ein englisches Kind hört Englisch, ein Bambino aus Italien hört Italienisch und das criança aus Portugal glaubt, dass der Wichtel Portugiesisch spricht. So versteht jeder den Wichtel und der Wichtel versteht sowieso alles.

Sogar die Hunde und Katzen, die Pferde und Spatzen, alle Tiere und sogar die Kuscheltiere hören den Wichtel in ihrer eigenen Sprache sprechen. Und der Wichtel versteht natürlich hundisch und katzisch, pferdisch und spatzisch, hamsterisch und kuscheltierisch .

Allerdings muss ein Weihnachtswichtel lernen, wie die Menschen leben. Denn ein Wichtel hat das alles nicht: Kaffeemaschinen, Backöfen und Staubsauger, Lichtschalter, Haustürschlüssel und Jalousien – das alles muss ein Wichtel bedienen können. Das kann er natürlich nicht ohne Magie, er wäre viel zu klein, um einen Staubsauger zu ziehen. Der Wichtel lernt viele, viele magische Sprüche, um all die Menschendinge zu benutzen.

Das klappt aber nicht immer. Unser Wichtel Tomte hat zusammen mit dem Waschbär und Wichtelhund Finn den schweren Kühlschrank aufbekommen, dann ist der Waschbär reingeklettert, um Käse zu holen – und (Plopp!) fiel die Türe zu. Da saß der Waschbär drinnen und die zwei anderen draußen. Nur zu zweit haben sie die Tür nicht mehr aufbekommen und alle Wichtel-Zaubersprüche haben nichts genützt.

Ich war morgens sehr verwundert, dass der Waschbär auf der Käsebox saß und gebibbert hat. Er hat vor lauter Kälte gestottert und geschnattert und ihm war den ganzen Tag schlecht, weil er soviel Käse gefuttert hat.

Die meisten Wichtel wählen dazu noch Baby- und Kleinkinder-Kunde. Dabei lernt der Wichtel, ab wann Babys krabbeln und wann sie das erste Mal laufen, woran man erkennt, dass ein Baby Zähnchen bekommt, wie ein gesundes Baby aussieht und welche Krankheiten es bekommen kann. Dabei hilft dem Wichtel natürlich, dass er sich mit Babys unterhalten kann und das kleinste Baby ihm genau erklären kann, ob das Bäuchlein wehtut oder ihn die Zähnchen plagen oder ob ihm einfach nur entsetzlich langweilig ist. Wie gesagt: Wichtelsprache versteht jeder und der Wichtel versteht auch jeden. Ein guter Wichtel wird dann versuchen, den Eltern Hinweise zu geben, damit sie ihrem Baby helfen können.

Das nächste Hauptfach ist Backen und Kochen. Ein Wichtel muss viele Rezepte lernen: Wichtelsterne und -kipferl, Spitzbuben und Lebkuchen, Lussekatter (das sind Lucia-Brötchen) zum 13. Dezember und . Spritzgebäck und Mürbeteig, Zuckerguss in weiß und rosa, Schokoguss und Marzipan – alles muss der Wichtel machen können. Er darf Zimt und Pfeffer nicht verwechseln, muss wissen, was Orangeat ist und wie man Plätzchen fein säuberlich aussticht.

Wichtel, die in eine Familie gehen, in denen ein Kind oder Mama oder Papa keine Milch trinken darf oder nur ganz bestimmtes Mehl vertragen, müssen noch Zusatzkurse belegen. Dann haben sie den Grad „Weihnachtswichtel BB“ erreicht, das steht für „Weihnachtswichtel Besondere Bedürfnisse“. Ohne diese Bescheinigung darf sich kein Wichtel eine Familie aussuchen, die etwas Besonderes brauchen.

Einige wenige Wichtel suchen sich Familien aus, in denen nur Erwachsene leben. Dann lernt er vorher, einen Julegløgg zu kochen.

Natürlich lernt ein Wichtel auch Haushaltskunde. Schließlich muss er ja seine Wichtelwohnung tipptopp in Ordnung halten, seine Kleider waschen, Fenster putzen, abgesprungene Knöpfe annähen oder einen Flicken auf ein Loch in der Hose nähen.

Pflanzen-, Tier- und Sternenkunde sowie Geographie sind sehr wichtig. Auch wenn die Wichtel heute das Wichtel-Weite-Web verwenden und Landkarten über MKU (magiske kort udtalelse – Magische Landkarten Ansicht) auf ihrem BC (bærbar computer – tragbarer Computer) anschauen, muss sich ein Wichtel zurechtfinden. Er muss besonders das Gebiet seiner Menschenfamilie gut kennen, muss die Städtenamen und die Straßen lernen, muss wissen, wo Seen und Bäche sind.

Das ist ganz besonders wichtig, weil die Wichtel meistens mit den Gänsescharen reisen. Die Gänse nehmen den Wichtel mit von Skandinavien in die Nähe seiner Familie und holen ihn auch dort wieder ab. Oft sind es die jungen Gänseriche, die noch keine Familie haben oder die ganz, ganz alten Gänse-Omas, die sich nicht mehr um ihren Nachwuchs kümmern müssen. Besonders die grauen Gänse aus dem berühmten Geschlecht der Akka von Kebnekaise sind den Wichteln sehr zugetan und kümmern sich sehr liebevoll um die Kleinen. Das liegt wohl daran, dass vor vielen, vielen Jahren der verwunschene Nils Holgersson mit ihrer Schar geflogen ist.

Märchen und Sagen muss ein Wichtel normalerweise nicht lernen. Wichtel haben ein langes Leben und bis sie in die Schule kommen, haben sie von allen Tieren des Waldes, von den Vögeln am Meer und auf den Seen, von den alten Walen und den quirligen Robben, von den anderen Naturgeistern und natürlich von den Wichtelomas und Wichtelopas alle Geschichten gehört.

Wir Wichtel lieben Euch Menschen und bitten darum, Eure Gäste sein zu dürfen. Zum Dank spielen wir Euch Streiche, machen Euch lachen und lassen ein bisschen Magie bei Euch zurück.

Tomte, Weihnachtswichtel aus Havneby auf Rømø

Wie das Fjordpferd zu seinem Aalstrich kam

Wie im letzten Jahr haben wir auch heuer wieder den Wichtel Tomte zu Besuch. In diesem Jahr hat er seinen Wichtelhund Finn mitgebracht. Der Waschbär, Tomte und Finn stellen eine Menge an, aber in den langen dunklen Winterabenden gibt es auch viel zu erzählen.
Gestern hat Tomte den anderen beiden erzählt, wie das Fjordpferd zu seinem schwarzen Aalstrich gekommen ist.

Vor vielen, vielen Jahren wohnte der Weihnachtsmann noch nicht am Nordpol, sondern in Ilulisat in Grönland. Er hieß auch noch nicht Weihnachtsmann, sondern trug noch seinen grönländischen Namen Juulimaaq oder Julemanden auf dänisch. Zusammen mit seinen Helfern, den Julenissen, bepackte er jedes Jahr seinen Schlitten, spannte die Rentiere davor und machte sich in der Weihnachtsnacht auf seine lange Reise rund um die Welt.

Einer der Julenissen war Kvik, ein Ur-Ur-Ur-Ahn von Tomtes Frau Kari. Er war noch einer junger Wichtel, als er beim Juulimaaq als Helfer anfing. Kvik hütete die Rentiere, striegelte und fütterte sie, rieb sie trocken und polierte ihre Halfter, bis sie glitzerten und glänzten. Wie alle Wichtel verstand Kvik die Sprache der Tiere, natürlich auch die der Rentiere vom Juulimaaq.

Zeichnung von Rentieren im Stall

An einem Tag im Dezember kam Heli, die älteste der Rentierkühe zu Kvik und bat ihn um Hilfe. Ihr müsst wissen, dass die Rentiere des Juulimaaq alle weiblich sind. Das sieht man schon an den Geweihen, die sie tragen. Bei den Rentieren haben zwar Männchen und Weibchen beide Geweihe, aber die Männchen werfen ihr altes Geweih schon im Herbst ab und das neue wächst erst im Frühling wieder. Die Weibchen hingegen behalten das Geweih solange, bis der Winter vorbei ist. Dann werfen sie es auch ab und das neue Geweih wächst erst wieder, wenn sie ihre Kälber im Frühjahr geboren haben.

Heli war sehr besorgt um vier von den jungen Rentieren, die den Schlitten zogen. Sie waren im Herbst sehr krank gewesen und obwohl sie fleißig Moos und vitaminreiche Beeren aßen, hatten sie immer noch Schnupfen, husteten auch nachts ganz arg und fühlten sich elend und schlapp. Kvik hatte schon davon gehört, dass viele der wilden Tiere in diesem Herbst sehr unter einer bösen Erkältung gelitten hatten und es viele, viele Tote gegeben hatte.

„Meinst Du, dass Ihr den Schlitten ziehen könnt?“, wollte Kvik wissen. „Das wird nicht gehen. Die vier sind viel zu krank und nur mit fünfen von uns klappt das nicht. Was sollen wir nur tun?“ Heli war untröstlich. So schnell würde man auch keine neuen Rentier-Weibchen finden, die im Geschirr vor dem Schlitten laufen konnten.

Heli, Kvik und die anderen Julenissen wollten dem Juulimaaq noch nichts davon sagen und erst gemeinsam überlegen, was man tun könnte. Es wurde hin und her überlegt, wer den Schlitten stattdessen ziehen könnte. Vielleicht der große, starke Isbjørn? Das hielt niemand für eine gute Idee. „Der Isbjørn wird die ganzen Geschenke auffressen“, befürchtete Heli. Oder sollte man die grauen Gänse fragen? Sie waren stark und ausdauernd und könnten bestimmt den Schlitten mitziehen. Ja, aber die waren alle schon fortgeflogen und weit im Süden, in Holland und Frankreich. Man würde sie nicht so schnell zurückrufen können.

„Das Fjordpony wird helfen,“ davon war einer der grönländischen Nisse überzeugt. „Es ist klug und freundlich und keine Arbeit wird ihm je zu schwer.“ Also wurden Abordnungen in die Siedlungen geschickt. Die Nissen waren in Qikertaq und in Angmaussaĸ, in Itivdliarssuk und in Upernaviarssuk und in vielen anderen Dörfern an der grönländischen Küste. Die Fjordponys waren alle bereit, zur Hilfe zu kommen und würden rechtszeitig einen von ihnen schicken.

Jetzt muss man wissen, wie ein Fjordpony aussieht. Es ist eigentlich gar kein Pony, sondern ein kleines Pferd, aber es nimmt es nicht übel, wenn man „Pony“ sagt. Denn es sieht aus wie in Pony. Es ist kräftig und stark, hat kleine, spitze Ohren und eine dichte Mähne, die lustig nach oben steht. Seine Brust und seine Schultern sind breit, die Beine sind kurz und können wacker ausholen. Es kann unermüdlich laufen, einen Schlitten ziehen und hilft im Wald mit den großen Baumstämmen. Und immer sind sie hell, man sagt „Falben“. Sie können ein bisschen brauner oder heller sein, etwas rötlicher oder mausfarben und manchmal haben ihre Beine feine Streifen. Das sieht lustig aus, als wenn sie Strümpfe anhaben und es ist ein Zeichen, dass ihre Rasse sehr alt ist. Die Fjordponys tragen ihre Streifen voller Stolz.

Das Fjordpony Arvo

So kam es, dass Mitte Dezember das Fjordpony Arvo gelassen und ruhig im Stall bei den Rentieren stand, als Kvik am Morgen nach dem Rechten sah. Arvo stellte sich allen vor, begutachtete den Schlitten, sprach lange mit dem Juulimaaq, ließ sich von Heli alles erklären und nickte dann bedächtig mit seinem großen Kopf. Ja, das würde alles gehen. Kvik müsste das Geschirr anpassen, damit es ihm passte und die Säcke mit den Geschenken könnte man ihm links und rechts über seinen breiten Rücken hängen.

Beim ersten Probepacken fielen aber die Säcke immer wieder herunter. Arvo dirigierte die Nissen freundlich „etwas höher links“ und „mehr in die Mitte“ und „rechts ein bisschen tiefer“. Plumps, lagen die Säcke wieder unten! Ratlos standen die Nissen um das Fjordpferd. „Wir wissen nicht, wo auf Deinem Rücken die Mitte ist! Alles ist rund an Dir!“ beklagten sie sich. Arvo stellte sich ganz gerade hin, es half nichts. Er richtete seine Mähne auf: „Jetzt müsst Ihr nur von der Mähne nach unten auf den Rücken gucken.“ Es half nichts. „Wir wissen ja nicht, wo die Mitte Deiner Mähne ist! Sie ist so dicht und steht auch noch so doll nach oben ab.“

Da hatte Kvik eine Idee! Er sauste in das Haus vom Juulimaaq, nahm ein Stück Holzkohle aus dem Ofen, tauchte es einmal in den Schnee, damit es nicht zu heiß war und kletterte Arvo erst auf den Rücken, dann auf seine Mähne und stellte sich genau zwischen seine spitzen Ohren. Dann setzte er sich auf die Holzkohle wie auf einen Schlitten und flitzte zwischen den Ohren nach unten, links und rechts legte sich Mähne zur Seite, er schlitterte über den breiten Rücken bis zum Schwanz und plumpste kopfüber in den Schnee.

Kvik holt Holzkohle

„Jetzt habt Ihr die Mitte,“ rief er lachend, als er sich aus dem Schnee gekämpft hatte. Und wirklich: Arve hatte genau in der Mitte einen schwarzen Strich, der bei den Ohren begann und hinten am Schwanz endete. Sogar die Mähne war innen ganz schwarz geworden.

Von diesem Tag an haben alle Fjordponys einen schwarzen Aalstrich.

Und wer dem Juulimaaq einmal nach Grönland schreiben möchte, kann das tun. Er hat einen großen Briefkasten in Ilulisat:

Julemanden
Box 785
3952 Ilulisat

Grønland

Hinweise:
Idee und Text von Pia, alle Zeichnungen von ChatGPT