Springe zum Inhalt

Der Gotteskoog

20190501_090000Wir waren in Nordfriesland und haben den Zugvögeln zugeguckt. Der Waschbär konnte leider bei dem Wind nicht aus dem Rucksack raus – er wäre sonst ein Flugbär geworden. Sein Bericht kommt also jetzt aus dem Hintergrund (oder besser aus dem Untergrund).

Typisch für Nordfrieslands Küste sind neben dem Watt die Köge, Einzahl “der Koog”. Der größte ist mit über 10.000 Hektar der Gotteskoog ganz nah an der dänischen Grenze. Wer mit dem Zug oder Auto nach Sylt will, fährt südlich am Gotteskoog vorbei, Niebüll ist der südlichste Punkt des Gotteskoogs.

Ein Koog ist das “Land vor dem Deich”, in Ostfriesland heißt es Polder. Durch Deichbau und anschließende Entwässerung gewinnt man flaches Marschland. Mit der Trockenlegung sackt der Boden zusammen, so dass das Land im Koog oft unter dem Meeresspiegel liegt. Es muss ständig über Siele, Vorfluter oder Schöpfwerke entwässert werden.

Früher diente die Eindeichung zuerst dem Schutz vor der Nordsee und dann der Landgewinnung, Köge wurden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Das wird sehr eindrücklich im “Schimmelreiter” von Theodor Storm beschrieben.

Auffliegende WeißwangengänseHeute stehen die Köge im Zeichen des Küsten- und Vogelschutzes. Sie sind wertvolle Rast- und Ruheplätze für viele Wasser- und Watvögel. Rechts sieht man einen Schwarm  Weißwangengänse über dem Beltringhardener Koog.

Auch der Gotteskoog hat so eine Entwicklung genommen: Küstenschutz, Landgewinnung, Naturschutz.

Bereits um 1500 wurde das Land südlich von Tondern eingedeicht, mehrere damals bereits bestehende Halligen wurden einbezogen und der Deich bis Niebüll gezogen. Über fünfzig Jahre bauten die Bewohner an einer mehr als zehn Kilometer langen Deichlinie. Deichbrüche vernichteten immer wieder die mühsame Arbeit, Salzwasser machte das gerade urbar gemacht Land wieder zunichte. Im 18. und 19. Jahrhundert konnte das Land zwar gesichert werden, aber im Winter stand alles unter Wasser und die einzelnen Dörfer und Höfe lagen isoliert auf erhöhten Warften wie heute noch die Halligen.

20190427_092030Ab 1928 begann die Trockenlegung, 1935 wurden die ersten Schotterstraßen in dem Gebiet gebaut – aber immer noch war das Land mit nur wenigen Familien besiedelt. Nach 1950 konnte das Wasser soweit abgesenkt werden, dass Landwirtschaft möglich war. Die Deiche wanderten weiter nach Westen; der letzte Schutzdeich wurde gemeinsam von Dänemark und Deutschland 1980 gebaut und schützt heute westlich vom Gotteskoog den Rikkelsbüller Koog.

Im Gotteskoog machten sich bereits 1930 gravierende Umweltschäden bemerkbar: das Wasser war nicht mehr gut genug, um für Mensch und Tier als Trinkwasser zu dienen; Pflanzen und Tiere verschwanden; die Fische wurden weniger. In der Bevölkerung kam Unruhe auf, weil das Gebiet zunehmend karger und unwirtlicher wurde und viele Menschen die Vögel und Blumen vermissten. Was der Maler Nolde noch als bunte Wiesen kannte, war innerhalb weniger Jahre zu einer ausgeräumten Landschaft geworden. Örtliche Gruppen setzten sich für den Schutz und die Wiedervernässung ein, 1982 wurde das Gebiet weiträumig unter Schutz gestellt.

20190501_090010          20190501_092006

Heute sind Ödlandflächen renaturiert, ein See wurde wieder aufgestaut und bietet Rohrdommeln und Blaukehlchen Schutz, der Seeadler brütet hier und der Kolkrabe dreht seine Runden. Weitgehend unzugänglich kann sich Flora und Fauna ungestört entwickeln.

Das Schilf, das hier in großen Beständen wächst, wird geerntet und für die friesischen Rieddächer verwendet.

Zum Gotteskoogsee kommt man aus Richtung Niebüll nach Klanxbüll fahrend. Dann geht es über die K106 in Richtung Aventoft. Irgendwann biegt links ein Sandweg ab (den man aber mit dem Auto fahren darf), ein Schild weist zur Informationshütte. Nach einigen hundert Metern ist eine Schranke, vor dem man parken kann. Auf dem Sandhügel gibt es eine Informations- und Beobachtungshütte (die aber leider verschlossen war). Einige Informationstafeln an der Außenseite geben Auskunft über die Geschichte des Gotteskooges.

Eine Beschreibung finden Sie hier: PDF Erlebnistouren Nordfriesland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.