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Illerradweg–Tag 1

20180916_064857Alle von rechts kommenden Flüsse aus dem Donauspruch sind wir jetzt schon entlang geradelt:
Iller, Isar, Lech und Inn
fließen rechts zu Donau hin
Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen
kommen ihr von links entgegen

Der Spruch unterschlägt einige, die auch von rechts kommen. Um nur zwei zu nennen, die wir auch schon geradelt sind: Paar und Vils. Also nach Isar, Lech, Inn, Paar und Vils war jetzt die Iller dran.

Illerursprung in OberstdorfBeginn des Illerradweges ist Oberstdorf im Allgäu. Hier fließen Breitach, Stillach und Trettach zusammen und bilden die Iller. Links seht Ihr den “Illerursprung” – auch wenn man die drei Zuflüsse nur erahnen kann. Nach 147 km mündet die Iller bei Neu-Ulm in die Donau. Von rechts, wie der Spruch schon sagt.

Tag 1 bUnser Start war der Bahnhof von Oberstdorf. Von München ganz bequem mit der Bahn zu erreichen.

Auf der Karte seht Ihr, dass meine Menschen das ganze Stück zurückgeradelt sind, das wir vorher mit der Bahn gefahren wurden. Warum sind wir dann nicht gleich in Kempten ausgestiegen? Als Waschbär verstehe ich die Menschen mal wieder nicht!

Tja, muss man auch nicht verstehen. Aber ich wollte unbedingt am Illerursprung starten. Am Bahnhof Oberstdorf sollte der Illerradweg losgehen. Tut er auch, ist aber leider nicht ausdrücklich ausgeschildert. Wir haben nur ein normales Fahrradweg-Schild gefunden und mussten erst mal die Karte konsultieren. Das finde ich immer doof. Wenn man schon Fernradwege anlegt und mit so großem Aufwand bewirbt wie den Illerradweg, sollte er auch deutlich beschildert sein.

OberstdorfAber wir haben ihn gefunden und sind aus Oberstdorf rausgeradelt auf die Iller zu. Um uns herum ein schöner Blick auf die Allgäuer Berge – zum Glück müssen wir da  nicht rauf!

 

Iller bei BihlerdorfDer Radweg ist schön angelegt, folgt der Iller mal links, mal rechts und im Gegensatz zu anderen Flusswegen sieht man den Fluss auch meistens. Es geht über Fischen im Allgäu, an Sonthofen vorbei nach Immenstadt. Das Illertal ist breit und wird landwirtschaftlich genutzt – viele Wiesen, manchmal Felder mit Mais. Immer wieder kleine Dörfchen, die man allerdings alle umgeht. Wer sich mit Getränken versorgen will, muss vom Radweg abbiegen! Links und rechts immer noch die Allgäuer Berge im Blick. Es lohnt sich wirklich, auf einer der Bänke Pause zu machen und die Landschaft zu genießen.

Immenstadt WasserskiBei Immenstadt gibt es einen künstlichen See, auf dem man sich an einer Seilanlage mit einem Wasserski über das Wasser ziehen lassen kann. Ich habe gestaunt, sowas kannte ich nicht. Wasserski war für mich immer ein Sport am Meer, bei dem der Fahrer von einem Motorboot gezogen wird. Aber hier hängen die Fahrer an einem Seil … auch ein Vergnügen!

In Martinszell ist der Illerradweg dann wegen einer großen Baustelle gesperrt. Wir hatten das schon vorher gelesen und waren auf die Umleitung gefasst. Der Beginn ist nicht ganz logisch ausgeschildert – aber im weiteren Verlauf ist dann die Umleitung vorbildlich beschildert und immer gut zu sehen.

Blick von Eggen nach Osten und SüdenDer neue Weg führt natürlich weg von der Iller über die Orte Martinszell (schieben!) und Eggen nach Waltenhofen, wo es wieder auf den Illerradweg geht. Die Landschaft zeigt sich hier typisch “allgäuerisch” mit sanften Hügeln und einem weiten Blick. Bis auf die kurze Strecke nach Martinszell rein konnten wir alle Steigungen fahren, es gab einige schöne bergab-Strecken und nur wenige anstrengendere bergauf-Schnaufer-Strecken.

In Eggen haben wir Pause gemacht in einem netten kleinen Kaffee mit hervorragendem selbstgebackenen Kuchen. Wenn Ihr an einem Wochenende in der Gegend seid, dann kehrt dort unbedingt ein und lasst Euch einen der frisch gebackenen Kuchen schmecken! Und wenn Ihr draußen sitzen könnt, dann lasst mal den Blick schweifen auf die Bäume in der nächsten Umgebung. Eine Zirbe habe ich entdeckt und einen ungewöhnlich riesigen Sanddorn-Strauch, der in etwa die Größe eines Weidenbaumes erreicht hat!

Weiter geht es nach Waltenhofen. Kurz vor dem Kirchlein St. Cosmas und Damian in Rauns biegt man wieder auf den Illerradweg.

Rauns-Waltenhofen St. Cosmas und DamianDie kleine Kirche hat eine wechselvolle Geschichte: 1250 wurde sie erbaut, dem Turm sieht man es deutlich an. Sie wechselte mehrfach den Besitzer, wurde 1543 zwinglianisch und gehörte dann zur Reichsstadt Kempten. Kempten war zu dieser Zeit zum reformiert-evangelischen Glauben übergetreten. Um 1800 fand in Bayern die Säkularisation statt, viele Klöster und Kirchen wurden auf Geheiß von Kurfürst Max IV. Joseph aufgelöst und das Vermögen dem bayerischen Staat zugeschlagen. In dieser Zeit wurde auch die Kirche in Rauns aufgelassen und den 26 Bauern des Ortes Rauns überlassen. Heute gehört die Kirche zur Stadtkirche des nächstgrößeren Dorfes, Waltenhofen.

Das letzte Stück an der Iller ist schattig und schön zu fahren. Wir fanden, dass der Radweg bis hierher gut gepflegt ist und sich bequem fahren lässt.

Aber kurz vor Kempten kam dann die nächste Umleitung. Ich verstehe ja, dass irgendwann irgendwas saniert wird und es Sperrungen gibt. Nur sollte bitte jemand mal überlegen, wie man einen Radweg sinnvoll umleitet. Wir mussten auf eine nasse, rutschige und sehr steile Betonrampe – ich war kaum in der Lage, mein Fahrrad da hochzuschieben. Ich bin bei jedem Schritt weggerutscht und habe viel Schweiß und einige Schimpfworte verloren.

Haha, da wusste sie noch nicht, was sie morgen erwartet!

Irgendwann waren wir oben und haben uns auf die Suche nach unserem Hotel in Kempten gemacht. Von Oberstdorf bis Kempten sind es nicht ganz 50 Kilometer.

Das Hotel St. Raphael ist ein Tagungshotel mit einem speziellen Flair: es gibt eine hauseigene Kapelle, Integration von Mitarbeitern mit Handicaps wird großgeschrieben und alle Räume sind barrierefrei. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, besonders die fröhlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter sind uns aufgefallen. Fahrräder können in der Tiefgarage untergestellt werden. Die Lage ist am Stadtrand in einem Park und entsprechend ruhig. In die Innenstadt läuft man gerade mal 10 Minuten.

Morgen geht es weiter von Kempten nach Memmingen. Da hat der Waschbär einiges zu berichten über die vielen Schimpfworte, die sein Mensch kennt!

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