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Illerradweg Tag 2

Tag 2aSeht Ihr die Zacken? Da musste sie rauf – und dabei hat sie geschimpft! Schlimmer als ein alter Waschbären-Großvater.

Tag 2 unserer Iller-Tour sollte von Kempten bis Illertissen gehen, das wären etwa 70 km gewesen. Normalerweise ist das für uns kein Problem, aber hier war es eines. Eben wegen dieser Zacken. Ich hatte vorher die Tourbeschreibung des Illerradweges gelesen und dort hieß es, die Tour gehe weitgehend eben und ohne Steigungen, sei deswegen als Familientour auch für Kinder geeignet. Darauf vertrauend habe ich mich mit dem Höhenprofil nicht so genau befasst. Ein Fehler.

Kurz nach KemptenDer Start war sehr schön: leichter Nebel am Fluß, ein sonniger Tag kündigte sich an. Die erste Etappe ging wieder eng an der Iller entlang.

 

 

Ufer der Iller nach KemptenBei Hirschdorf hat sich der Fluss tief in das Ufer gegraben und auf der gegenüberliegenden Seite lagen Lehm- und Sandschichten bloß. Wir haben überlegt, ob im Frühjahr da wohl Uferschwaben ihre Bruthöhlen graben – ideal wäre es dafür.

In Krugzell gab es die erste unangenehme Hürde. Wegen einer Brückenbaustelle mussten wir eine Umleitung fahren, die zuerst wunderschön entlang der Iller und dann durch Wiesen führte.

Aber das dicke Ende war eine 16 %-Steigung zurück zur Straße.

Waschbaer 16Ich bin natürlich sofort abgestiegen und habe schieben helfen – aber es war soooo schwer! Mein Mensch hat ganz viele schlimme Worte gesagt. Oben hatte sie dann keine Puste mehr zum Schimpfen.

 

Ich möchte wissen, von welchem wilden Ratz der gebissen wurde, der diese Umleitung ausgeschildert hat! Mit einem eBike mag das ja ganz lustig sein, aber mit einem normalen Fahrrad ohne 36 Gänge ist das eine Strapaze. Wenn es bei dieser einen Steigung geblieben wäre, hätte ich nix zu meckern aber. Leider kam es aber wesentlich unangenehmer.

Bei KaldenNach Altusried führt der Radweg durch Wiesen, Weiden und winzige Weiler. Von der Iller sieht man erstmal nichts mehr.

Die Landschaft ist wunderschön – aber es ist ein ständiges Bergauf und Bergab. Lange Steigungen wechseln mit rasanten Talfahrten ab. Wir konnten viele Steigungen nicht fahren, sondern mussten schieben – mit Gepäck und unseren doch recht schweren Rädern ist das leider kein Genuss mehr. So sehr ich die Talfahrten genossen habe (streckenweise kommt man da auf 40 Stundenkilomter!), das aufwärts schieben über lange Strecken ist einfach doof.

Zum IllerdurchbruchBei Oberkotten gibt es den Illerdurchbruch zu bestaunen. Der Fluss muss sich hier bei einer Talverengung durch eine massive Felsrippe arbeiten. Ockerfarbener Mergel und Sandsteinbänke bilden ein hartes Hindernis, dass sich der Kraft des Wasser widersetzt.

Von hier aus kann man auch zur Burgruine Kalden wandern. Im Frühjahr ist das bestimmt eine Wanderung wert!

 

Wir hatten irgendwann keine Lust mehr, die nächste Steigung schiebend zu erklimmen und haben uns in Lautrach dazu entschlossen, die Tour abzubrechen und in Aichstetten zum Bahnhof zu fahren. Zuerst einmal musste man hinunter ins Dorf, dann mussten wir auf der anderen Seite wieder hinauf – schiebend. In Aichstetten haben wir dann festgestellt, dass die Bahnstrecke gesperrt ist und es einen Schienenersatzverkehr gibt. Mit Bussen. Arrrrgh!

Leider nehmen die Busse weder Waschbären noch Fahrräder mit. Ich habe meinen Menschen dann gesagt, sie sollen doch lieber nach Memmingen fahren – das kennen wir schon, da ist es schön! Und Eis gibt es auch. Das hat sie wieder versöhnt. Wenn die beiden mich nicht hätten!

So haben wir es auch gemacht und sind ziemlich verschwitzt in Memmingen angekommen. Im Hotel Riku sind wir gut untergekommen, haben in Memmingen Eis gegessen und abends sehr leckere Maultaschen-Variationen verputzt. Wer in Memmingen Station macht, sollte unbedingt im Barfüßer – Die Hausbrauerei vorbeischauen.

Memmingen  Memmingen

Memmingen  Memmingen

Memmingen ist unbedingt sehenswert! Ich finde, dass Memmingen einen Hauch von Italien hat.

Schon im Altertum war Memmingen ein bedeutender Handelsposten, hier kreuzten sich die Salzstraßen von Ost nach West (von Österreich nach Lindau) und von Nord nach Süd (von Norddeutschland in die Schweiz). Bereits 1158 wurde Memmingen zur Stadt erhoben. Sie wechselte ein paar Mal den Besitzer: Welfen, Staufer, Habsburger und dann freie Reichsstadt.

Während des Bauernkrieges hielten die oberschwäbischen Bauernhaufen in Memmingen ihre Versammlungen ab und verfassten hier 1525 die 12 Artikel – die ersten schriftlich niedergelegten Menschenrechte. Danach nennt sich Memmingen unter anderem auch “Stadt der Menschenrechte”.

Wallenstein hat sich im Dreißigjährigen Krieg hier einige Wochen aufgehalten und die Stadtchronik verzeichnet glücklich und dankbar, dass der Feldherr ihnen drei Wochen Kriegspause bescherte: “Es hat Glück und Heyl gewest!” In Erinnerung an diese Zeit werden alle vier Jahre die Wallensteinfestspiele gefeiert. Die nächsten werden 2020 stattfinden.

In Memmingen endete unsere Tour. Wir hatten am nächsten Tag keine Lust mehr, noch bis zur Donau zu radeln und haben den Zug zurück nach München genommen.

Mit vielen Grüßen von
Eurem Waschbären mitsamt Menschen

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