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Alt oder neu - was denn nun? Jedenfalls haben die Frankfurter ihre Altstadt neu aufgebaut. Sechs Jahre haben sie gebaut und gebuddelt und jetzt sind sie fertig. Mensch, erklär doch mal, was die da gemacht haben!

Der Waschbär war zu Recht leicht verwirrt: neu aufgebaute Altstadt ist schon etwas kurios. Am Dom und hinter dem Römer ist eine Rekonstruktion der alten Altstadt neu entstanden. Historische Altstadthäuser mit Fachwerk und Schiefer hat man neu erstellt und sich dabei weitgehend an die alten Baumaterialien gehalten und die Fassaden - soweit bekannt - nachempfunden.

Von der Altstadt war nach dem Zweiten Weltkrieg nichts mehr übrig. Pulverisiert. In Schutt und  Asche gelegt. Was noch stand, fiel dann in den 1960er Jahren dem Straßenbau zum Opfer. Nur ganz wenig von der alten Bausubstanz blieb erhalten. Im Jahr 2012 hat man dann angefangen, 35 Häuser wieder aufzubauen. Steile Satteldächer wurden vorgeschrieben - so wie man früher halt auch gebaut hat.

Am Hühnermarkt, dem zentralen Platz der neugebauten Altstadt:

Hühnermarkt mit einem Eckhaus
Hühnermarkt mit einem Eckhaus

Die Büste auf dem Platz zeigt übrigens nicht Karl Marx sondern den Dichter und Schriftsteller Friedrich Stoltze. Er ist 1816 in Frankfurt am Main geboren und 1891 dort gestorben. Er setzte sich für die nationale Einheit Deutschlands und für die Demokratie ein. Heute kennt man ihn nicht mehr, aber zu Lebzeiten war der nach Goethe der bekannteste Frankfurter.  

Die “Goldene Waage” baute der Niederländer Abraham van Hamel 1618. Es war ein Kaufmannshaus mit einem Kontor im Erdgeschoss und den Wohnräumen des Kaufherren in den Obergeschossen. Der aufwändige Fassadenschmuck wurde getreu den alten Bildern nachempfunden und es sollen im Innern auch die Stuckdecken wieder so sein wie früher.

Blick auf das Obergeschoss der "Goldenen Waage"
Das Obergeschoss der "Goldenen Waage"

 

Sogar die U-Bahn ist in einem Altbau:

U-Bahn-Eingang in einem der rekonstruierten Altbauten
U-Bahn-Eingang

Und hier treffen sich Alt und Neu: Blick von der neuen Altstadt in Richtung Römer mit den Hochhäusern des modernen Frankfurt im Hintergrund.

Alte Häuser, Weihnachtsmarkt und im Hintergrund Hochhäuser
Blick über den Weihnachtsmarkt

Ich mache eine Zeitreise: So hat Frankfurt mal angefangen. An der Furt der Franken gab es eine Kaiserpfalz, in der hat Karl der Große übernachtet und später Ludwig der Deutsche. Sieht doch cool aus!

Waschbär vor dem Panoramabild der Frankfurter Kaiserpfalz von ca. 860
Panoramabild der Frankfurter Kaiserpfalz von ca. 860

Der Waschbär hat sich heute in Frankfurt zwischen Frankfurter Dom und der Schirn die neue Ausstellungshalle über die Frankfurter Kaiserpfalz angeguckt und war mächtig beeindruckt.

Waschbär vor Mauerresten der Kaiserpfalz
Mauerreste der Kaiserpfalz

Merowinger und Karolinger haben zwischen 500 und 900 nach Christus viele solcher Pfalzen in ihrem Reich erbaut. Eine Pfalz ist ein Stützpunkt für den reisenden König oder Kaiser gewesen; das Wort geht wahrscheinlich auf das lateinische “palatium” für “Palast” zurück. Pfalzen wurden in den Abständen angelegt, die man zu Pferde an einem Tag zurücklegen konnte - rund 30 km.

Als Karl der Große im Jahr 793 nach Frankfurt kam, um das Osterfest zu feiern, gab es allerdings nur einen Königshof. Das war noch wesentlich kleiner, bloß ein Wirtschaftshof und eine (vermutlich eher spartanische) Unterkunft. Erst sein Sohn, Ludwig der Fromme, hat ab 820 die Pfalz zu Frankfurt bauen lassen, wie sie oben zu sehen ist. Auch Karls Enkel, Ludwig der Deutsche, baute weiter an der Pfalz und fügte die Basilika hinzu, die unmittelbar an den heutigen Dom angrenzte.

Blick in das römische Rundbad von 76
Römisches Rundbad von 76

Von diesen Pfalz-Bauten kann man in der Ausstellungshalle noch dicke Mauerreste bewundern. Aber auch aus der Römerzeit sind auf dem gleichen Areal noch Funde erhalten: ein Rundbad aus dem Jahr 76!

Die Ausstellungshalle ist frei zugänglich, es kostet keinen Eintritt. Die Halle ist großzügig überdacht und mit guten Informationen bestückt. Es gibt Schautafeln und viele Erklärungen. Der Besuch lohnt sich.