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Vilstal-Radweg Tag 1

DSC07601Immer an der Vils lang, durch Weiß- und Blaukrautfelder, an riesigen Salatbeeten vorbei, mit dem Gurkenflieger auf gleicher Höhe bis zur Donau. Fast hätten wir noch ein Filmcasting mitgemacht!

 

09.09.2018Der erste Teil des Vilstal-Radweges beginnt in Dorfen nordöstlich von München, bis dahin sind wir mit der Bahn gefahren.

Diese Regionalbahn ist ein älteres Semester, der ausgewiesene Fahrradwaggon ist nur erreichbar über drei schmale, enge, steile Stufen. Der Zugang ist so eng, dass man kaum neben seinem Fahrrad stehen kann, um es hochzuhieven. Die Bahn scheint mit selbstkletternden Fahrrädern gerechnet zu haben.

Am Bahnhof Dorfen fährt man wenige Meter entlang der Gleise in Fahrtrichtung und kann dann gleich links auf den Vilstal-Radweg einbiegen. Er ist sehr gut beschildert, eine Karte braucht man kaum – die Radl-App von Bayern-Info oder eine andere Übersicht der Fernradwege kann hilfreich sein, falls man doch mal unsicher ist.

20180909_110136Es geht erst nach Norden bis Taufkirchen an der Vils, von dort biegt man nach Osten ab und ungefähr ab Velden geht es stetig nach Nordosten bis zur Donau. Unsere erste Etappe wird aber Reisbach sein, das sind rund 60 km von Dorfen aus.

Die Wege sind meistens asphaltiert, in der Regel ohne Autoverkehr und oft schnurgerade – man sieht also meilenwert, ob wer entgegenkommt. Steigungen gibt es nur wenige und ganz kurze. Sprich: Genussradeln!

20180909_120112In Velden an der Vils habe ich Freundschaft geschlossen mit einer Taube. Wir hatten uns richtig viel zu erzählen. Sie sieht ja so viel den ganzen Tag. Aber leider kommt sie nicht vom Fleck und war sehr neugierig auf meine Reiseberichte.

Die Taube ist eine von rund 40 Bronzeplastiken des Künstlers Georg Brenninger, der aus Velden gebürtig ist. Er war freischaffender Bildhauer, Professor für Plastik und Architektur an der TU München und der Akademie der Bildenden Künste ebenfalls in München. Seine Werke sind unter anderem in München, Erlangen und Fulda zu bewundern.

20180909_121829Weiter geht es im breiten Vilstal durch Wiesen, Mais- und Gemüsefelder. Der Talgrund ist weitgehend fruchtbarer Löss und Lösslehm, der vor einer Million Jahre abgelagert wurde und teilweise noch in mächtigen Schichten vorhanden ist. Links und rechts steigt das Gelände an – nach Westen als Abgrenzung zum Isartal, nach Osten zum Inntal. Alle drei Flüsse haben sich ihr eigenes Bett in den weichen Untergrund gegraben. Dummerweise haben sie jeweils Hügel übriggelassen oder aufgeschoben, für uns heißt das: entweder den Innradweg oder den Isarradweg oder den Vilsradweg. Die Querverbindungen zwischen den dreien sind mit unseren Rädern (und unserer mangelnden Bergauf-Motivation) kein Spaß.

Die Vils wird vom Radweg immer wieder gekreuzt, man fährt auf der linken, auf der rechten Seite – aber ohne allzuviel von dem Flüsschen zu sehen. Bei einigen Brücken erhascht man einen Blick auf die meist träge dahinfließende Vils. Sie ist so langsam, dass sie oft von Seerosen komplett zugewuchert ist.

VilsbiburgIn Vilsbiburg rasten wir erst mal – einen Eisbecher haben wir uns verdient. Der Marktplatz ist (typisch für die Orte hier) langgezogen und schmal, ein Torturm aus dem 16. Jahrhundert schließt ihn auf der einen Seite ab, auf der anderen begrenzt ihn die Vilsbrücke.

Nach der  Brücke heißt es aufpassen! Der Radweg geht nicht sofort links an der Vils entlang, sondern erst nach der nächsten Kreuzung in die Frauensattlinger Straße! Hier fehlt ein Wegweiser zum Vilstalradweg.

Es geht weiter durch viele kleine Orte und dann – wegen einer Baustelle – durch Frontenhausen und Marklkofen. Der Vilstalradweg würde eigentlich auf dem nördlichen Vilsufer verlaufen, aber da wird irgendwas Großes an der Straße geändert und wir sind südlich dem Fluss gefolgt. Verfahren kann man sich ja nicht wirklich … immer dem Fluss lang.

FrontenhausenIn Frontenhausen waren wir erstaunt über den Andrang. Die Cafes gesteckt voll, der Marktplatz quoll über von Autos, Menschenmassen allüberall. Was ist denn hier los?

 

Wir wurden aufgeklärt: das hier ist nicht Frontenhausen, sondern Niederkaltenkirchen! Hier waltet Franz Eberhöfer als strafversetzter Kripobeamter in der Provinz. Hier spielen der “Dampfnudelblues” und die “Sauerkrautoma”. Und für die nächste Folge war das Casting in vollem Gange. Kinder wurden gesucht, bevorzugt Zwillinge und Drillinge für den Eberhöfer-Nachwuchs. Der ganze Ort scheint mitzuspielen und man uns verraten, wie es weitergehen wird. Touristen haben sich glückstrahlend von dem Maibaum fotografiert (den es, so sagen die Einheimischen nur für die Filmaufnahmen gibt – im normalen Leben ist Frontenhausen Maibaumlos). Aber der Metzger existiert tatsächlich …

20180909_155034Wir haben Kaffee getrunken, den Aufruhr angestaunt und sind dann über Marklkofen weiter zum Vilstalsee gefahren. Ein künstlich aufgestauter See, der in der Gegend als Naherholungsgebiet sehr beliebt ist. Surfen, Kiten, Segeln, Schwimmen – alles möglich.

Direkt nach dem See geht es zu unserer ersten Station: Der Schlappinger Hof in Markt Reisbach. Eine freundliche Unterkunft mit gutbürgerlicher Küche und üppigem Frühstück.

In Reisbach gibt es die Pfarrkirche St. Michael aus dem 14./15. Jahrhundert mit einem romanischen Turm zu bewundern sowie ein 5 Meter hoher Granit zu Ehren von Franz Josef Strauß.

Morgen geht es weiter zur Donau -

bis dahin liebe Grüße von Waschbär und Radfahrern

 

 

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