Weihnachtswichtel kann nur werden, wer in die Weihnachtswichtelschule gegangen ist und seinen Abschluss mindestens mit der Note „sehr gut“ gemacht hat. Besser ist es, wenn er mit „vorzüglich“ oder „meget fremragende“ – das ist dänisch und heißt „ganz vorzüglich“ – abschneidet. Dann darf er sich seine Familie aussuchen.
Um das alles zu erreichen, muss ein Wichtel sehr viel lernen und es gibt deswegen viele Wichtelschulen. Eine ist am Brendalsbreen in Norwegen, eine ist am Nissum Bredning in Dänemark. Die Türen sind winzig klein, mit Magie geschützt und können nur von Menschen gesehen werden, die an die Wichtel glauben und ihnen gut gesonnen sind.

Das wichtigste Fach auf jeder Weihnachtswichtelschule ist Menschenkunde. Zum Glück muss ein Wichtel die Menschensprache nicht lernen, denn er versteht jede Sprache und jeder Mensch versteht einen Wichtel. Wenn ein Wichtel mit Dir spricht, spricht er wichtelisch, aber für Dich hört es sich an als ob er Deutsch spricht. Ein englisches Kind hört Englisch, ein Bambino aus Italien hört Italienisch und das criança aus Portugal glaubt, dass der Wichtel Portugiesisch spricht. So versteht jeder den Wichtel und der Wichtel versteht sowieso alles.
Sogar die Hunde und Katzen, die Pferde und Spatzen, alle Tiere und sogar die Kuscheltiere hören den Wichtel in ihrer eigenen Sprache sprechen. Und der Wichtel versteht natürlich hundisch und katzisch, pferdisch und spatzisch, hamsterisch und kuscheltierisch .
Allerdings muss ein Weihnachtswichtel lernen, wie die Menschen leben. Denn ein Wichtel hat das alles nicht: Kaffeemaschinen, Backöfen und Staubsauger, Lichtschalter, Haustürschlüssel und Jalousien – das alles muss ein Wichtel bedienen können. Das kann er natürlich nicht ohne Magie, er wäre viel zu klein, um einen Staubsauger zu ziehen. Der Wichtel lernt viele, viele magische Sprüche, um all die Menschendinge zu benutzen.
Das klappt aber nicht immer. Unser Wichtel Tomte hat zusammen mit dem Waschbär und Wichtelhund Finn den schweren Kühlschrank aufbekommen, dann ist der Waschbär reingeklettert, um Käse zu holen – und (Plopp!) fiel die Türe zu. Da saß der Waschbär drinnen und die zwei anderen draußen. Nur zu zweit haben sie die Tür nicht mehr aufbekommen und alle Wichtel-Zaubersprüche haben nichts genützt.

Ich war morgens sehr verwundert, dass der Waschbär auf der Käsebox saß und gebibbert hat. Er hat vor lauter Kälte gestottert und geschnattert und ihm war den ganzen Tag schlecht, weil er soviel Käse gefuttert hat.
Die meisten Wichtel wählen dazu noch Baby- und Kleinkinder-Kunde. Dabei lernt der Wichtel, ab wann Babys krabbeln und wann sie das erste Mal laufen, woran man erkennt, dass ein Baby Zähnchen bekommt, wie ein gesundes Baby aussieht und welche Krankheiten es bekommen kann. Dabei hilft dem Wichtel natürlich, dass er sich mit Babys unterhalten kann und das kleinste Baby ihm genau erklären kann, ob das Bäuchlein wehtut oder ihn die Zähnchen plagen oder ob ihm einfach nur entsetzlich langweilig ist. Wie gesagt: Wichtelsprache versteht jeder und der Wichtel versteht auch jeden. Ein guter Wichtel wird dann versuchen, den Eltern Hinweise zu geben, damit sie ihrem Baby helfen können.
Das nächste Hauptfach ist Backen und Kochen. Ein Wichtel muss viele Rezepte lernen: Wichtelsterne und -kipferl, Spitzbuben und Lebkuchen, Lussekatter (das sind Lucia-Brötchen) zum 13. Dezember und . Spritzgebäck und Mürbeteig, Zuckerguss in weiß und rosa, Schokoguss und Marzipan – alles muss der Wichtel machen können. Er darf Zimt und Pfeffer nicht verwechseln, muss wissen, was Orangeat ist und wie man Plätzchen fein säuberlich aussticht.
Wichtel, die in eine Familie gehen, in denen ein Kind oder Mama oder Papa keine Milch trinken darf oder nur ganz bestimmtes Mehl vertragen, müssen noch Zusatzkurse belegen. Dann haben sie den Grad „Weihnachtswichtel BB“ erreicht, das steht für „Weihnachtswichtel Besondere Bedürfnisse“. Ohne diese Bescheinigung darf sich kein Wichtel eine Familie aussuchen, die etwas Besonderes brauchen.
Einige wenige Wichtel suchen sich Familien aus, in denen nur Erwachsene leben. Dann lernt er vorher, einen Julegløgg zu kochen.
Natürlich lernt ein Wichtel auch Haushaltskunde. Schließlich muss er ja seine Wichtelwohnung tipptopp in Ordnung halten, seine Kleider waschen, Fenster putzen, abgesprungene Knöpfe annähen oder einen Flicken auf ein Loch in der Hose nähen.
Pflanzen-, Tier- und Sternenkunde sowie Geographie sind sehr wichtig. Auch wenn die Wichtel heute das Wichtel-Weite-Web verwenden und Landkarten über MKU (magiske kort udtalelse – Magische Landkarten Ansicht) auf ihrem BC (bærbar computer – tragbarer Computer) anschauen, muss sich ein Wichtel zurechtfinden. Er muss besonders das Gebiet seiner Menschenfamilie gut kennen, muss die Städtenamen und die Straßen lernen, muss wissen, wo Seen und Bäche sind.
Das ist ganz besonders wichtig, weil die Wichtel meistens mit den Gänsescharen reisen. Die Gänse nehmen den Wichtel mit von Skandinavien in die Nähe seiner Familie und holen ihn auch dort wieder ab. Oft sind es die jungen Gänseriche, die noch keine Familie haben oder die ganz, ganz alten Gänse-Omas, die sich nicht mehr um ihren Nachwuchs kümmern müssen. Besonders die grauen Gänse aus dem berühmten Geschlecht der Akka von Kebnekaise sind den Wichteln sehr zugetan und kümmern sich sehr liebevoll um die Kleinen. Das liegt wohl daran, dass vor vielen, vielen Jahren der verwunschene Nils Holgersson mit ihrer Schar geflogen ist.
Märchen und Sagen muss ein Wichtel normalerweise nicht lernen. Wichtel haben ein langes Leben und bis sie in die Schule kommen, haben sie von allen Tieren des Waldes, von den Vögeln am Meer und auf den Seen, von den alten Walen und den quirligen Robben, von den anderen Naturgeistern und natürlich von den Wichtelomas und Wichtelopas alle Geschichten gehört.
Wir Wichtel lieben Euch Menschen und bitten darum, Eure Gäste sein zu dürfen. Zum Dank spielen wir Euch Streiche, machen Euch lachen und lassen ein bisschen Magie bei Euch zurück.
Tomte, Weihnachtswichtel aus Havneby auf Rømø