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Watvogel oder watt?

20181005_115650Im Watt gibt’s Watvögel – oder? Jein. Watvögel sind meist an Wasser gebunden, finden sich am Meer, an Seen und Flüssen, auf Mooren und Wiesen. Einige leben sogar in Halbwüsten oder Steppen. Im Watt gibt es sie besonders häufig, aber eben nicht nur. Der Name kommt auch nicht von Watt, sondern von “waten”.

Der Vogelkundler spricht von Limikolen oder Regenpfeiferartigen. Dazu zählen viele unterschiedlich aussehende Vögel: von oben links nach unten rechts Regenbrachvogel, Kampfläufer-Männchen, Kiebitz, Säbelschnäbler, Küstenseeschwalbe und Alpenstrandläufer. Und natürlich die Papageitaucher, mit denen sich der Waschbär so angefreundet hat.

Numenius phaepus (Regenbrachvogel)Philomachus pugnax (Kampfläufer)Vanellus vanellus (Kiebitz)Katinger WattEidersperrwerkSchobüll

Außerdem rechnet man Möwen dazu, alle Schnepfenvögel und die eigentlich Regenpfeifer. Das geht also von ganz klein bis ziemlich groß (der Temminckstrandläufer ist mit 13 cm Länge gerade mal so groß wie eine Kohlmeise und der Große Brachvogel ist mit rund 47 cm Länge so groß wie eine Rabenkrähe) und von Kurzhufer (2 cm Beinlänge beim Zwergstandläufer) bis langbeinig (die Uferschnepfe kommt auf 7 cm Beinlänge).

Gebrütet wird üblicherweise einfach in einer Bodenmulde. Loch gescharrt, vielleicht ein paar Steinchen zurechtgerückt oder Muschelschalen zu Deko ausgelegt – fertig ist das spartanische Nest.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind Watvogel-Küken Nestflüchter, was bei der ungemütlichen Nestgestaltung nicht zu verdenken ist. Kaum aus dem Ei, rennen sie schon los und futtern, was das Zeugs hält. Wer im Frühjahr Urlaub an der Nordsee macht, kann das sehr schön beobachten: Kiebitz-Küken wandern auf unglaublich langen Beinen in den Wiesen und wie kleine Wattebäusche sausen Regenpfeifer-Küken auf dem Sandstrand umher. Mama und Papa sind aber immer in der Nähe und versuchen mit viel Lärm und Scheinangriffen den störenden Menschen zu vertreiben.

Limikolen sind in der Regel Zugvögel und viele davon Langstreckenflieger. Wenn sie bei uns an der Nordseeküste im Watt Station machen haben einige viele tausend Kilometer Flugstrecke hinter sich und manch einer eine genauso lange Strecke noch vor sich. Uferschnepfen fliegen zwischen Winterquartier und Brutgebiet 4.500 km, die nahe verwandten Pfuhlschnepfen bringen es je nach Brutgebiet auf die doppelte Länge: der Rekord einer Pfuhlschnepfe liegt bei 11.000 km! Und das ist die Pfuhlschnepfe mit dem amtlichen Kennzeichen E7 nonstop geflogen (Weltrekord von E7). Pfuhlschnepfen sind in etwa so groß wie Straßentauben, für so einen kleinen Vogel eine veritable Leistung.

Weltenbummler sind auch die Knutts, pummelige amselgroße Limikolen, die im hohen Norden brüten. Knutts brüten in Kanada und Sibirien und überwintern an der Südspitze Südamerikas bzw. Südafrikas. In beiden Fällen sind 15.000 km einfach zu überwinden. Der älteste bisher dokumentierte wildlebende Knutt war 25 Jahre alt, er ist also 25 Jahre lang pro Jahr 30.000 km geflogen! Und das bei einem Gewicht von 220 g (zur Zugzeit, in der übrigen Zeit wiegt er nur die Hälfte).

Da Limikolen zwar am Wasser leben, aber nicht auf dem Wasser ausruhen können, müssen sie über dem Meer entweder Inselhopping machen oder nonstop fliegen. Dazu brauchen sie große Fettreserven und die fressen sie sich zum Beispiel im Wattenmeer an. Darum ist es auch so wichtig, dass man die Vögel nicht aufstört. Bei jeder panischen Flucht verbraucht der Vogel genau die Energie, die er sich mühsam angefressen hat und die ihm nachher fehlt.

Andere, wie der Große Brachvogel, ziehen nicht so weit. Sie brüten in Skandinavien oder auf Island und überwintern im Wattenmeer der Nordsee. Wird es zu kalt, weichen sie nach Frankreich oder Spanien aus.

 

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