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20170906_201432Mein Mensch sagt, es ist so heiß, weil gerade die Hundstage sind. Hundstage, wieso das denn? Wieso machen Hunde so ein heißes Wetter? Wenn das stimmt, ziehe ich ihnen ihre Schlappohren noch länger als sie sind - so eine Hitze ist ja kaum auszuhalten! Also, Mensch erklär mal!

Der Waschbär hat schon irgendwie Recht: Hundstage haben was mit Hund zu tun. Mit einem Hund, um genau zu sein. Ein Hund, der ganz weit weg ist.

Jetzt sind also die Hundstage: Sie beginnen in jedem Jahr am 23. Juli und enden am 23. August. Heiß ist es da nicht immer, vor allem nicht hier bei uns. Anders war das am Mittelmeer, hier fängt Ende Juli die richtig heiße Zeit des Jahres an. Und just zu dieser Zeit sah man Nachts am Himmel den hellen Sirius aufgehen. Nacht für Nacht steigt er höher und bleibt uns dann während der ganzen Winterzeit als hellster Stern am Firmament erhalten.

Sirius gehört in das Sternbild des Orion, dem Himmelsjäger. Wie jeder Jäger wird auch Orion von Hunden begleitet und Sirius ist der hellste Stern seines Großen Hundes (Canis Major). Im Frühjahr und Frühsommer ist Sirius von Europa aus nicht zu sehen, er kam wie gesagt Mitte Juli über den Horizont. Bis alle Sterne des Großen Jagdhundes zu sehen, vergingen rund 30 Tage. Das sind die “30 Tage des Hundes”. Sie sind vorbei, wenn das Sternbild vollständig zu sehen ist.

Ich als Waschbär gucke natürlich viel mehr in den Nachthimmel und ich kann auch viel besser gucken als die Menschen. Darum kann ich Euch sagen, dass der Sirius erst Ende August aufgeht. Immer diese ollen Kamellen! Vor 2000 Jahren kam der Hund im Juli angetrabt, aber im Laufe der Jahrhunderte ist er ganz schön langsam geworden …

Der Waschbär hat schon Recht. Aber vor 2000 Jahren stimmte das ungefähr mit dem 23. Juli als Sirius-Aufgang und wir haben die Verbindung: die 30 Tage, die vom ersten  Erscheinen des schwachen kleinen Kopfsternes des Hundes bis zum letzten Schwanzstern vergehen, sind die “Tage des Hundes” - Hundstage. Die Menschen früher stellen sich vor, dass der hellste Hunde-Stern, Sirius, die Glut der Sonne noch verstärkt. Beide zusammen schaffen dann die Sommerhitze.

Wir verwenden den Begriff “Hundstage” noch heute für die heißeste Zeit des Jahres, auch wenn der Sirius längst nicht mehr im Juli sondern im August aufgeht.

Der Hund ist übrigens nicht langsamer geworden, was immer der Waschbär da auch redet. Die Achse der Erde hat sich in den letzten 2000 Jahren ein wenig geändert und die Sterne, die aus unserer Sicht den Großen Hund bilden, sind  auch gewandert. Darum sehen wir den Sirius heute gut vier Wochen später am Abendhimmel.

Also kein Grund, den Schlappohren die Ohren noch länger zu ziehen. Schade!

Im Spanischen hat sich Cavis Major in “la canicula” verewigt - die Hitzewelle. Im Arabischen knüpft sich an den Großen Hund eine eher unappetitliche Legende: die in der flirrenden Wüstenhitze zu sehenden Fata Morgana sind die “Speicheltropfen des Hundssterns, die vom Himmel tropfen”. Eine deutsche Bauernregel sagt, dass die Hundstage so ausgehen, wie sie anfingen.

Wir wünschen Euch schöne Hundstage!

Der Waschbär und sein Mensch, Pia

20180723_153159Am Potsdamer Platz an der Einmündung der Alten Potsdamer Straße steht ein “Verkehrsturm” - die erste Ampel Berlins und eine der ersten Deutschlands. Sie wurde 1924 aufgestellt, um den immer heftiger werdenden Verkehr am Potsdamer Platz zu regeln. 1990 hat man den  Turm nachgebaut und hier aufgestellt, nicht ganz an der gleichen Stelle wie früher, sondern versetzt auf einem Fußgängerbereich.

Damals war der Potsdamer Platz fast noch verkehrsreicher als heute: täglich passierten 20.000 Autos den Platz, 26 Straßenbahnen kreuzten sich mit fünf Buslinien sowie S-Bahn- und U-Bahnlinien. Letztere mussten natürlich nicht an der roten Ampel halten. Zwischen diesem ganzen  Getümmel hopsten 83.000 Reisende herum, die sich eine Lücke im Strom der motorisierten Zeitgenossen suchen mussten, um auf die andere Straßenseite zu kommen.

22.07.2018_0006 Anfangs hat ein Schutzmann auf einem drei Meter hohen Hochstand gestanden und kräftig in die Trompete geblasen, wenn alles stehen  bleiben sollte.

(Bild Common Licence https://www.wikizero.com/de/Datei:Bundesarchiv_Bild_146-1998-012-36A,_Potsdamer_Platz.jpg)

Kommentar vom Waschbären:
Ich stelle mir vor, wie das ging: einmal blasen - alles bleibt stehen, zweimal tuten - die Querstraße darf losdüsen, dreimal  tuten - jetzt sind die anderen dran? Viermal tuten ist dann wohl: jetzt reichts, macht doch, was ihr wollt!

 

20180723_153136Naja, jedenfalls war der arme Polizist irgendwann heillos überfordert. Der “Posaunenengel” konnte sich einfach nicht länger Gehör verschaffen. Eine andere Lösung musste dringend her und die fand man  in den USA. Dort gab es bereits Ampeltürme, die der deutsche Architekt Jean Krämer nachempfand und die Firma Siemens realisierte. Ein über acht Meter hohes fünfeckiges Gestell, gekrönt von einem Dach, darunter an allen  fünf Seiten eine Uhr und jeweils drei Lichter: damals grün, weiß und rot. Im Nachbau ist es grün, gelb, rot - wie wir es heute kennen.

Die fünf Seiten  waren nötig, weil am Potsdamer Platz fünf Straßen zusammenkamen. Im Unterschied zu heutigen Ampeln lagen die Lichter neben-, nicht untereinander. 

Im  Innern saß nach wie vor ein Polizist mit einer Stoppuhr und schaltete die Ampelzeichen. Ich weiß leider nicht, wie oft er raussausen musste, um uneinsichtige Autofahrer zur Ordnung zu rufen. Denn anfangs wollte wohl niemand einsehen, dass man vor einem dummen Lichtsignal still stehen sollte. Vielleicht hatten die Berliner den Eindruck, dass sie sich wie die Schweizer im “Wilhelm Tell” vor dem Hut des Landvogtes verbeugen sollten?

1926 hat Berlin versucht, alle Ampelanlagen zentral zu steuern - mit einem gigantischen Verkehrsstau als Folge. Alle Ampeln in der Stadt schalteten gleichzeitig auf rot und ganz Berlin stand. Dann schalteten alle wieder grün und das Verkehrschaos war komplett. Man musste sehr schnell nachrüsten: mit einer grünen Welle.

20180723_153224Abgebaut wurde das gute Stück 1936. Als Nachbau kam sie dann 1997 wieder an ihren alten Platz (naja, fast an den alten Platz). Sie leuchtet auch ganz tapfer vor sich hin, aber nicht im Takt mit den richtigen Ampeln.

 

 

Die erste Ampel der Welt (wie wir sie heute noch verwenden) nahm übriges 1914 im nordamerikanischen Cleveland ihren Dienst auf. Gelb gab es noch nicht, nur Rot und Grün.

Um einiges älter war ein Signalmast in London mit Gaslaternen für die Nacht und mechanischen Armen  für den Tag. Er wurde schon 1868 in Betrieb genommen. Leider war die Gasbeleuchtung ein Problem: es gab mehrere Explosionen und 1869 wurde ein Bobby schwerverletzt. London verzichtete dann erst mal auf Ampelanlagen.

In Deutschland war Hamburg zwei Jahre schneller als Berlin: 1922 regelte dort die erste Ampel den Verkehr.

Das war es von der ältesten Ampel Berlins von Eurem Waschbären

20180720_092637Ich habe jetzt auch einen Koffer für meine vielen Reisen mit meinem Menschen. Selbst als Waschbär schleppt man ja doch eine Menge Zeugs mit rum!

 

Heute geht es nach Berlin. Also, wir müssen in Berlin aussteigen. Der ICE fährt natürlich viel weiter – bis nach Rügen! Ich finde das toll: morgens zum Frühstücken ist man noch in München und guckt ins Gebirge, das Abendessen gibt es schon in Binz und man hört das Schwapp-Schwapp der Wellen. Ich muss meinen Menschen unbedingt überreden, dass wir das auch mal machen.

Unser ICE fährt um 8:55 in München los. Der erste Halt ist Nürnberg, dann kommen Bamberg, Erfurt, Leipzig, Lutherstadt Wittenberg und schon sind wir in Berlin. Zuerst hält der Zug in Berlin Südkreuz und um 13:29 kommen wir am Hauptbahnhof an. Wenn wir pünktlich sind.

In Wittenberg waren wir schon mal. Natürlich hat mein Mensch das Lutherhaus angeguckt, war im Melanchthon-Haus und war schwer beeindruckt. Mir haben die Cranachhöfe gefallen. Ganz viel Fachwerk, alles ganz krumm und schief. Und einen Innenhof mit Bäumen und ganz altem Pflaster.

DSC05837Dort sitzt doch tatsächlich Meister Lucas Cranach im Hof! Glaubt Ihr nicht? Ist aber so. Ich habe extra Fotos gemacht. Das ist der große Maler, er guckt ganz schön streng.

 

DSC05835Aber ich habe ihm sogar über die Schulter gucken dürfen. Auf der Tafel entsteht gerade das Porträt von Martin Luther.

 

DSC05839Die Kirchentür, an der Martin Luther seine Thesen angeschlagen hat, haben wir uns natürlich auch angeguckt. Man sieht aber gar nichts mehr, bloß eine große Tür. Ich habe mir vorgestellt, wie sich damals alle um das Plakat gedrängt haben und jeder lesen wollte. Das war bestimmt ein ganz schönes Geschubse, denn so viel Platz ist da nicht vor der Tür.

 

DSC05838Ich als Waschbär war natürlich ganz begeistert von den kleinen Bächen in der Stadt. Wasser ist immer toll! Es gibt viel zu wenig Wasser in den Menschenstädten. Ich finde, es muss überall plätschern und rauschen und rieseln. Hier waren die kleinen Kanäle besonders hübsch geschmückt mit Blumenkästen und kleine Brücken führten darüber (was total überflüssig ist – ein Hops und man ist drüben; das schafft sogar ein Mensch!).

 

Heute fahren wir aber nur durch. Vom Potsdamer Platz aus Berlin berichte ich in der kommenden Woche! Da gibt es eine große Giraffe, ganz aus Legosteinen. Ob die auch mal einen Waschbären bauen? Ich könnte Modell stehen! Außerdem hat man einen Verkehrsturm aufgebaut, der ab 1924 den Verkehr geregelt hat. Was das ist? Nun, das erkläre ich Euch in der nächsten Woche. Mit Foto, denn ich habe jetzt meinen eigenen Fotoapparat Smile

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Viele Grüße

Euer Waschbär

 

 

Mensch und Waschbär sind in Dorsten zu Besuch. Früher hat man noch geschrieben “Dorsten in Westfalen”. So eine genaue Angabe ist heute nur noch üblich, wenn es Verwechslungen geben könnte: Frankfurt am Main, Frankfurt an der Oder. Dorsten gibt es aber nur einmal, einzigartig sozusagen.

 

Mutti 2018-04-20 neuer RollatorWir haben einen schönen, alten Apfelbaum im Garten. Früher waren es zwei plus mindestens einem Birnenbaum und zwei Pflaumenbäume. Nur ein Apfelbaum hat bis heute überlebt und trägt jedes Jahr fleißig große, süße und saftige Früchte.

 

Früher waren drei, vier oder mehr Obstbäume in den Gärten der Zechen-Kolonien üblich. Zurück geht das auf die Zeit zwischen 1920 und 1930. Damals wurden den Bewohnern Obstbäumchen angeboten, die vermutlich nicht allzu teuer waren. Keiner der Mieter hätte das Geld gehabt, teure Bäume zu pflanzen. Ich kann mich aber gut daran erinnern, das Kirsche, Apfel, Pflaume, Birne, seltener Aprikose oder Pfirsich eine übliche Gartenbestückung in Dorsten-Holsterhausen waren. Schließlich sollten die großen Gärten den Bergleuten nicht nur Kartoffeln, Bohnen und Möhren, sondern auch frisches Obst liefern. Das ist ganz nett in diesem PDF beschrieben.

IMG_0702In unserem Garten steht eine alte Sorte: der Kaiser-Wilhelm-Apfel. Eigentlich heißt der Apfel “Peter Broich”, aber richtig bekannt wurde erst unter seinem neuen Namen. Der Apfel ist groß, süßlich und saftig. Auf der besonnten Seite wird er rot mit vielen kleinen Sommersprossen.

Er lässt sich ohne Probleme bis zum April des folgenden Jahres draußen im Schuppen lagern und wird dann mürbe und weich, aber nicht schrumpelig.

IMG_0700Der Baum wird groß und hat eine halbkugelige, ausladende Krone. Wird er nicht regelmäßig beschnitten, wächst einem der Baum wortwörtlich über den Kopf – die langen Reiser müssen jedes Jahr gestutzt werden.

 

 

Da muss ich mich mal einschalten. Ich als Waschbär könnte ja problemlos bis in die Krone klettern, aber die Menschen! Keine Pfoten, keine Krallen, gar nix. Die brauchen Leitern, um so hoch zu klettern.
Die ganze Nachbarschaft hält immer die Luft an, wenn der Vater meines Menschen die große Leiter holt und in den Baum klettert. Er kann das auch nicht heimlich machen, denn sein Kopf guckt oben aus dem Baum raus, wenn er da oben steht. Und der ist ganz weißbehaart - richtig leuchtend. Sieht jeder. Meilenweit.
Dann gibt es ein großes Geschrei und Schimpfen und alles. Aber der Vater meines Menschen hat einen Dickschädel. Noch schlimmer als mein Mensch, die kann ja auch ... oweia!

Jetzt reicht es. Familiengeschichten werden hier nicht ausgeplaudert!

Weiter mit dem Kaiser-Wilhelm-Apfel: Weil der Baum so hoch und ausladend wird, wurde er viele Jahrzehnte nicht mehr verwendet. Heute wird der Apfel wieder gepflanzt und ist in einigen Baumschulen erhältlich. Informationen zu dieser attraktiven Sorte gibt es unter anderem hier.

20180705_194559-1Ich habe einen neuen Rucksack, extra für die vielen Bahnfahrten. Jetzt kann ich endlich alles für mich einpacken: Brotzeit und so. Schick, nicht?

Zu nachtschlafender Zeit ist es heute losgegangen. An einem Samstag sind wir um 5:30 Uhr aufgestanden, damit wir um 6:45 am Bahnhof sind. Mein Mensch spinnt! Mir soll es egal sein, ich kann in der Tasche schlafen.

Wir sind pünktlich losgefahren, die Sonne scheint, mein Mensch hat Kaffee und ich habe die Zeit, Leute zu beobachten.

Immer spannend ist das fröhliche Platznummernsuchen. Es geht eigentlich schon früher los: das fröhliche Wagennummernsuchen.

An einem ICE steht die Wagennnummer draußen dran, damit man sie sieht, wenn man  so am Zug vorbeigeht. Schließlich soll ja jeder sehen, wo er einsteigen muss. Allerdings haben die Wagennummern-Displays die Größe von Briefmarken, jedenfalls sind sie sehr sparsam dimensioniert. Lesen kann man das erst, wenn man mit der Nase davorsteht. So ein Zug hat doch eine riesengroße Fläche - warum müssen die Nummern dann so winzig sein? Zumindest sind die Wagen durchnummeriert. Fängt mit 21 an und hört mit 29 auf oder geht von 31 bis 39. Die sind nicht durcheinander, sondern richtig hintereinander. Gucken muss Mensch nur, ob die 21 vorne oder hinten ist.

ICE GroßraumIm Wagen  wird’s dann kompliziert. Stell Dir vor, Du hast Platz 95. Du wanderst also den Gang entlang: 81, 83, 87, 85 … ok, also noch 10 Plätze weiter. Zehn Plätze weiter bis Du aber zu weit, also wieder zurück. 92,  94, 98, 96 - wo zum Kuckuck ist 95? Das muss doch zwischen 94 und 96 sein - aber da ist 98 und davor ist der Gang. Deine 95 ist vor der 96, hinter der 86 und neben der 97 - logisch, oder?

Wer kommt auf so eine verquere Nummerierung? Da ist ja eine Waschbären-Spürnase gefragt! Was tut ein Mensch ohne Waschbär?

 

Warum das so ist, habe ich mir von einem Bahnkundigen erklären lassen.

EICE Kutsche s war einmal vor langer Zeit ein Zug, der hatte nur Abteile. In diesen Abteilen saßen sich die Menschen gegenüber und guckten sich an. Das war so, weil der Zug wie eine Kutsche gebaut wurde. Hoch auf dem gelben Wagen, der Kutscher blies ins Horn, die Pferde zogen an - und so. Beim Zug kam dann Dampfmaschine und Schaffner, aber sonst blieb alles beim  Alten.

Die zwei Plätze an der Türe waren 81 und 82 - gegenüber am Gang. Die zwei am Fenster waren 83 und 84 - auch gegenüber am Fenster.

Zu Zeiten der Postkutsche war das also eine Nummerierung, die man verstehen konnte. Aber Hühott und Brrrr und Posthorntuten sind lange vorbei. In einem itzo üblichen ICE guckt man sich nicht länger an, sondern starrt auf die Rückenlehne des Vordermannes oder der Vorderfrau (was nicht unbedingt ein Nachteil ist). Ein Reisender ohne Postkutschenerfahrung denkt nicht in Kutschendimensionen, sondern in Reihen - wie im Flugzeug: 81 und 82 nebeneinander und nicht hintereinander.

So kann man heute in jedem  Großraumwagen bewundern, wie Mensch seinen Platz sucht. Leise die Platznummer vor sich hin murmelnd ziehen Heerscharen durch die Großraumwagen. Anfangs dachte ich, die Menschen beschwören den Geist des ICEs.

20180707_071302Meistens sind die Platznummern  oben über dem Fenster angebracht. In Briefmarkengröße. Das führt dann dazu, dass Menschen (ich glaube, alle Menschen sind kurzsichtig!) mit zusammengekniffenen Augen die Displays anstarren. Da Anstarren nicht viel hilft, rücken sie dem Display näher und dem Menschen, der da eventuell schon sitzt und sich jetzt sehr bedrängt fühlt. Ich als Kleinbär aus der Familie der Raubtiere finde das nicht gut, ich muss dann fauchen und kratzen und beißen. Zum Glück beschützt mein Mensch mich.

Ich kann Euch aber trösten: die neuen ICEs haben die Platznummern in den Ohren der Sitze. Also diese Dinger, die so links und rechts an der Lehne rausgucken und wie aufgestellte Waschbären-Ohren aussehen. Das ist praktischer, wenn man das schon kennt. Augenblicklich führt das aber dazu, dass alle auf die nicht vorhandenen Displays über dem Fenster starren.

Noch ein Tipp vom reiseerfahrenen Waschbären: lasst Euch nicht irremachen, wenn Euer gebuchter Platz (von  München bis Essen) zwischendrin noch eine weitere Buchung hat. Zum Beispiel von Frankfurt bis Köln. Das könnte zwar eng werden, wenn das wirklich so wäre. Ist aber nie so. Ist nur eine fehlerhafte Anzeige. Es gibt drei Anzeigen: gar keine, eine fehlerhafte und die richtige. Meistens gibt es keine Anzeige oder “ggf. reserviert”. Das heißt “gegebenenfalls reserviert” und ist genauso gut oder blöd wie gar keine. Da kann man sich dann was ausdenken, wann der Fall gegeben ist, dass reserviert ist. Am zweithäufigsten steht was Falsches da. Ist aber noch nie einer gekommen, der sich meinem Menschen auf den Schoß setzen wollte. Ganz selten steht es richtig.

So, jetzt müssen wir das zweite Frühstück genießen, mein Mensch will lesen und ich ziehe mich zurück in meine Tasche und schlafe noch ein Stündchen.

Tschüss bis zum nächsten Post

Euer Waschbär