David Waschbär

Wie das Fjordpferd zu seinem Aalstrich kam

Wie im letzten Jahr haben wir auch heuer wieder den Wichtel Tomte zu Besuch. In diesem Jahr hat er seinen Wichtelhund Finn mitgebracht. Der Waschbär, Tomte und Finn stellen eine Menge an, aber in den langen dunklen Winterabenden gibt es auch viel zu erzählen.
Gestern hat Tomte den anderen beiden erzählt, wie das Fjordpferd zu seinem schwarzen Aalstrich gekommen ist.

Vor vielen, vielen Jahren wohnte der Weihnachtsmann noch nicht am Nordpol, sondern in Ilulisat in Grönland. Er hieß auch noch nicht Weihnachtsmann, sondern trug noch seinen grönländischen Namen Juulimaaq oder Julemanden auf dänisch. Zusammen mit seinen Helfern, den Julenissen, bepackte er jedes Jahr seinen Schlitten, spannte die Rentiere davor und machte sich in der Weihnachtsnacht auf seine lange Reise rund um die Welt.

Einer der Julenissen war Kvik, ein Ur-Ur-Ur-Ahn von Tomtes Frau Kari. Er war noch einer junger Wichtel, als er beim Juulimaaq als Helfer anfing. Kvik hütete die Rentiere, striegelte und fütterte sie, rieb sie trocken und polierte ihre Halfter, bis sie glitzerten und glänzten. Wie alle Wichtel verstand Kvik die Sprache der Tiere, natürlich auch die der Rentiere vom Juulimaaq.

Zeichnung von Rentieren im Stall

An einem Tag im Dezember kam Heli, die älteste der Rentierkühe zu Kvik und bat ihn um Hilfe. Ihr müsst wissen, dass die Rentiere des Juulimaaq alle weiblich sind. Das sieht man schon an den Geweihen, die sie tragen. Bei den Rentieren haben zwar Männchen und Weibchen beide Geweihe, aber die Männchen werfen ihr altes Geweih schon im Herbst ab und das neue wächst erst im Frühling wieder. Die Weibchen hingegen behalten das Geweih solange, bis der Winter vorbei ist. Dann werfen sie es auch ab und das neue Geweih wächst erst wieder, wenn sie ihre Kälber im Frühjahr geboren haben.

Heli war sehr besorgt um vier von den jungen Rentieren, die den Schlitten zogen. Sie waren im Herbst sehr krank gewesen und obwohl sie fleißig Moos und vitaminreiche Beeren aßen, hatten sie immer noch Schnupfen, husteten auch nachts ganz arg und fühlten sich elend und schlapp. Kvik hatte schon davon gehört, dass viele der wilden Tiere in diesem Herbst sehr unter einer bösen Erkältung gelitten hatten und es viele, viele Tote gegeben hatte.

„Meinst Du, dass Ihr den Schlitten ziehen könnt?“, wollte Kvik wissen. „Das wird nicht gehen. Die vier sind viel zu krank und nur mit fünfen von uns klappt das nicht. Was sollen wir nur tun?“ Heli war untröstlich. So schnell würde man auch keine neuen Rentier-Weibchen finden, die im Geschirr vor dem Schlitten laufen konnten.

Heli, Kvik und die anderen Julenissen wollten dem Juulimaaq noch nichts davon sagen und erst gemeinsam überlegen, was man tun könnte. Es wurde hin und her überlegt, wer den Schlitten stattdessen ziehen könnte. Vielleicht der große, starke Isbjørn? Das hielt niemand für eine gute Idee. „Der Isbjørn wird die ganzen Geschenke auffressen“, befürchtete Heli. Oder sollte man die grauen Gänse fragen? Sie waren stark und ausdauernd und könnten bestimmt den Schlitten mitziehen. Ja, aber die waren alle schon fortgeflogen und weit im Süden, in Holland und Frankreich. Man würde sie nicht so schnell zurückrufen können.

„Das Fjordpony wird helfen,“ davon war einer der grönländischen Nisse überzeugt. „Es ist klug und freundlich und keine Arbeit wird ihm je zu schwer.“ Also wurden Abordnungen in die Siedlungen geschickt. Die Nissen waren in Qikertaq und in Angmaussaĸ, in Itivdliarssuk und in Upernaviarssuk und in vielen anderen Dörfern an der grönländischen Küste. Die Fjordponys waren alle bereit, zur Hilfe zu kommen und würden rechtszeitig einen von ihnen schicken.

Jetzt muss man wissen, wie ein Fjordpony aussieht. Es ist eigentlich gar kein Pony, sondern ein kleines Pferd, aber es nimmt es nicht übel, wenn man „Pony“ sagt. Denn es sieht aus wie in Pony. Es ist kräftig und stark, hat kleine, spitze Ohren und eine dichte Mähne, die lustig nach oben steht. Seine Brust und seine Schultern sind breit, die Beine sind kurz und können wacker ausholen. Es kann unermüdlich laufen, einen Schlitten ziehen und hilft im Wald mit den großen Baumstämmen. Und immer sind sie hell, man sagt „Falben“. Sie können ein bisschen brauner oder heller sein, etwas rötlicher oder mausfarben und manchmal haben ihre Beine feine Streifen. Das sieht lustig aus, als wenn sie Strümpfe anhaben und es ist ein Zeichen, dass ihre Rasse sehr alt ist. Die Fjordponys tragen ihre Streifen voller Stolz.

Das Fjordpony Arvo

So kam es, dass Mitte Dezember das Fjordpony Arvo gelassen und ruhig im Stall bei den Rentieren stand, als Kvik am Morgen nach dem Rechten sah. Arvo stellte sich allen vor, begutachtete den Schlitten, sprach lange mit dem Juulimaaq, ließ sich von Heli alles erklären und nickte dann bedächtig mit seinem großen Kopf. Ja, das würde alles gehen. Kvik müsste das Geschirr anpassen, damit es ihm passte und die Säcke mit den Geschenken könnte man ihm links und rechts über seinen breiten Rücken hängen.

Beim ersten Probepacken fielen aber die Säcke immer wieder herunter. Arvo dirigierte die Nissen freundlich „etwas höher links“ und „mehr in die Mitte“ und „rechts ein bisschen tiefer“. Plumps, lagen die Säcke wieder unten! Ratlos standen die Nissen um das Fjordpferd. „Wir wissen nicht, wo auf Deinem Rücken die Mitte ist! Alles ist rund an Dir!“ beklagten sie sich. Arvo stellte sich ganz gerade hin, es half nichts. Er richtete seine Mähne auf: „Jetzt müsst Ihr nur von der Mähne nach unten auf den Rücken gucken.“ Es half nichts. „Wir wissen ja nicht, wo die Mitte Deiner Mähne ist! Sie ist so dicht und steht auch noch so doll nach oben ab.“

Da hatte Kvik eine Idee! Er sauste in das Haus vom Juulimaaq, nahm ein Stück Holzkohle aus dem Ofen, tauchte es einmal in den Schnee, damit es nicht zu heiß war und kletterte Arvo erst auf den Rücken, dann auf seine Mähne und stellte sich genau zwischen seine spitzen Ohren. Dann setzte er sich auf die Holzkohle wie auf einen Schlitten und flitzte zwischen den Ohren nach unten, links und rechts legte sich Mähne zur Seite, er schlitterte über den breiten Rücken bis zum Schwanz und plumpste kopfüber in den Schnee.

Kvik holt Holzkohle

„Jetzt habt Ihr die Mitte,“ rief er lachend, als er sich aus dem Schnee gekämpft hatte. Und wirklich: Arve hatte genau in der Mitte einen schwarzen Strich, der bei den Ohren begann und hinten am Schwanz endete. Sogar die Mähne war innen ganz schwarz geworden.

Von diesem Tag an haben alle Fjordponys einen schwarzen Aalstrich.

Und wer dem Juulimaaq einmal nach Grönland schreiben möchte, kann das tun. Er hat einen großen Briefkasten in Ilulisat:

Julemanden
Box 785
3952 Ilulisat

Grønland

Hinweise:
Idee und Text von Pia, alle Zeichnungen von ChatGPT